Wenn du in deiner Arbeit mit Suchmaschinenoptimierung zu tun hast, kennst du sicher die Herausforderung: Man findet hunderte technischer SEO-Baustellen, aber nur selten genügend Entwickler-Ressourcen, um sie alle sofort umzusetzen. Deshalb geht es darum, wie du technische SEO-Fixes priorisieren kannst, wenn du mit begrenztem Support klarkommen musst.
Was ist technisches SEO-Schuldenmanagement?
„Technische Schulden“ bedeutet, dass sich auf einer Website langfristig Probleme ansammeln, die oft durch schnelle Notlösungen oder unzureichendes Management entstanden sind. Für dich als SEO sind das zum Beispiel falsch gesetzte Indexierungs-Tags, schlechte Core Web Vitals, komplexe Weiterleitungsketten oder veraltete CMS-Strukturen. All diese Punkte beeinflussen deine Rankings und deine gesamte Sichtbarkeit.
Das Problem dabei: Viele dieser Fixes kannst du nicht selbst erledigen. Sie erfordern Entwickler aus Frontend oder Backend – und genau diese sind häufig schon ausgelastet. Dein Ziel ist es also, mit klarer Priorisierung dafür zu sorgen, dass die wirklich wichtigen Aufgaben auf der Dev-Roadmap landen.
Der Schlüssel: Ein Priorisierungs-Framework
Um nicht in endlosen SEO-Wunschlisten zu ersticken, hilft ein Priorisierungs-Framework. Dafür bewertest du jede vorgeschlagene technische Änderung nach drei Faktoren:
- Risiko – Was passiert, wenn du das Problem nicht behebst?
- Reward (Belohnung/Nutzen) – Was gewinnst du, wenn du es behebst?
- Umsetzbarkeit – Wie realistisch ist es, dass die Entwickler die Änderung durchführen?
Daraus baust du eine Matrix, die dir hilft, den Überblick zu behalten. Jeder Fix bekommt Punkte von 1 (gering) bis 5 (hoch) für Risiko, Reward und Umsetzbarkeit. Am Ende addierst du die Scores – und hast eine klare Rangliste deiner Aufgaben.
1. Risiko bewerten
Frage dich: Welche Konsequenzen hat es fürs Business, wenn diese Aufgabe nicht erledigt wird? Typische Beispiele:
- Wenn deine Produktseiten auf „noindex“ stehen, riskierst du direkten Umsatzverlust.
- Wenn dein Core Web Vitals (z. B. Cumulative Layout Shift) schlecht ist, könnte deine Conversion Rate sinken und das Ranking leiden.
Je höher der potenzielle Schaden, desto höher die Risikopunktzahl.
2. Reward berechnen
Hier geht es darum: Was bringt die Umsetzung konkret? Denke an:
- Steigerung von Sichtbarkeit, Rankings, Conversions oder Umsatz.
- Kosteneinsparungen, z. B. weniger unnötige Crawls auf Duplicate Pages → weniger Serverkosten.
- Besseres Nutzererlebnis: schnellere Ladezeiten, saubere Navigation.
Je größer der messbare Vorteil, desto höher der Wert.
3. Umsetzbarkeit prüfen
Jetzt musst du realistisch werden. Wie wahrscheinlich ist es, dass diese Änderung tatsächlich umgesetzt wird? Manche Fixes sehen für dich simpel aus, erfordern aber im Hintergrund große Dev-Projekte. Daher: Spreche unbedingt mit den Entwicklern, bevor du Punkte vergibst. Eine Aufgabe, die in einem Sprint erledigt werden kann, hat eine hohe Umsetzbarkeit (4–5 Punkte). Ein Projekt, das ein komplett neues CMS verlangt, eher 1 Punkt.
Die Matrix in Aktion
Stell dir vor, du hast folgende drei Aufgaben:
- Noindex entfernen von Produktseiten → Risiko 5 / Reward 5 / Umsetzbarkeit 4 = 14 Punkte.
- Redirect Chains entfernen → Risiko 3 / Reward 3 / Umsetzbarkeit 5 = 11 Punkte.
- Ein Content-Block im CMS einfügen → Risiko 1 / Reward 2 / Umsetzbarkeit 1 = 4 Punkte.
Du siehst sofort, womit du anfangen solltest.
Wie du Entwickler-Ressourcen sicherst
Selbst mit klarer Matrix wirst du oft auf Widerstände stoßen: andere Prioritäten, begrenzte Kapazitäten, verschiedene Ziele. Hier ein paar Taktiken, mit denen du die Chancen erhöhst:
Sprich mit Product Managern & Team Leads
Nimm dir Zeit, dein Anliegen so zu erklären, dass die Dev-Teams den Wert erkennen. Liefere konkrete Daten, etwa Einnahmeverluste oder Serverkosten, die durch die Fixes entstehen. Eine gute, detaillierte Briefing-Dokumentation spart dem Dev-Team Zeit und erleichtert die Planung.
Bündele Aufgaben
Anstatt jede Kleinigkeit als separates Ticket einzureichen, bündele Arbeitspakete. Zum Beispiel: Statt drei Tickets für Meta Title, H1-Header und Breadcrumbs → ein einziges Ticket für „Produktseiten-Optimierung“. Das spart Zeit in der Planung und Umsetzung.
Zeige den Value für Stakeholder
Wenn du deine Fixes so präsentierst, dass sie nicht nur SEO betreffen, sondern auch Dev-KPIs, steigt die Chance auf Umsetzung. Beispiel: Entferne Weiterleitungsketten → weniger Serverlast → niedrigere Hosting-Kosten für die Dev-Abteilung.
Allianzen mit anderen Teams bilden
Wenn du zeigen kannst, dass deine gewünschten Änderungen auch PPC, CRO oder UX Teams helfen, erhöhst du den Druck auf Priorisierung. Ein besseres Landingpage-Erlebnis nützt allen.
Fazit: Technische SEO-Baustellen richtig managen
Technisches SEO-Management ist kein stumpfes Abarbeiten einer To-do-Liste. Vielmehr geht es um strategisches Priorisieren, klare Kommunikation und Allianzen mit anderen Teams. Wenn du Risiko, Nutzen und Umsetzbarkeit berücksichtigst, sorgst du dafür, dass die wichtigsten Fixes auch wirklich umgesetzt werden.
Und ganz wichtig: Sprich mit deiner Tech-Seite nicht in reinen SEO-Kennzahlen. Denke in Business-Werten, sprich ihre Sprache und beweise, dass deine Maßnahmen nicht nur Rankings verbessern, sondern auch echte Kosten sparen und Umsatz sichern. Genau das öffnet dir die Türen für Entwickler-Ressourcen, selbst wenn diese knapp sind.