Viele Unternehmen stehen jedes Jahr vor der gleichen Frage: Wie soll das Marketingbudget zwischen SEO und PPC aufgeteilt werden? Die Entscheidung ist kniffliger, als sie auf den ersten Blick wirkt. Während SEO als langfristige Investition in nachhaltigen Traffic gilt, liefert PPC schnelle Ergebnisse – allerdings oft nur so lange, wie Geld fließt. Die tatsächliche Herausforderung liegt darin, beides so zu kombinieren, dass kurzfristige Ziele erreicht und langfristige Wachstumschancen geschaffen werden.
Warum du überhaupt zwischen SEO und PPC abwägen musst
Wenn du Geld in PPC-Kampagnen steckst – ob Google Ads, Microsoft oder Social Ads –, kaufst du dir im Grunde Sichtbarkeit. Jeder Klick kostet, aber du kannst relativ genau kalkulieren, was du für dein Investment bekommst. Aus meiner Erfahrung schätzen gerade Führungskräfte diese Planbarkeit sehr. Sie sehen direkt, was herauskommt, und können den Return on Ad Spend (ROAS) sauber mit Umsätzen verknüpfen.
Bei SEO ist das anders. Hier bezahlst du nicht für Klicks, sondern für Arbeit: für Inhalte, technische Optimierungen, Backlinks, Strukturverbesserungen. Das Ganze zahlt langsam, aber stetig ein. Wenn du es richtig angehst, sinken langfristig die Kosten pro Conversion, die Reichweite wächst, und du bist weniger abhängig von externen Plattformen. Aber: Geduld ist gefragt. Das mag in der hitzigen Realität vieler Sales-getriebener Organisationen schwierig sein.
Was du genau „kaufst“
Vielleicht hilft ein Vergleich. PPC ist wie das Mieten eines Autos: Du zahlst, nutzt es, fährst los – aber wenn du aufhörst zu bezahlen, steht es still. SEO dagegen ist der Bau eines eigenen Fahrzeugs. Es dauert Monate, bis es auf der Straße ist, aber wenn es einmal fährt, kostet jeder weitere Kilometer kaum etwas.
Viele Unternehmen verwechseln das. Sie schieben weiteres Geld in Ads, weil sie Kontrolle wollen. Doch das kann teuer werden – besonders in Branchen mit hohen CPCs. Ich hab’s selbst erlebt: In stark umkämpften Sektoren wie Versicherungen oder B2B-SaaS sind Klickpreise ein Fass ohne Boden. Da zahlt sich ein stabiler SEO-Aufbau langfristig aus.
Wie deine Ziele die Budgetaufteilung bestimmen
Stell dir vor, dein Unternehmen launcht ein neues Produkt und muss innerhalb von drei Monaten Leads generieren. Da ist klar: PPC kommt zuerst. Du brauchst Sichtbarkeit jetzt, um das Produkt bekanntzumachen. Oder du hast aggressive Quartalsziele, die schnelle Umsatzimpulse verlangen – auch dann ist Paid Media dein Freund.
Wenn du jedoch daran arbeitest, deinen organischen Marktanteil zu stärken, die Markenbekanntheit auszubauen oder langfristig die Kosten pro Akquisition zu senken, führt kein Weg an SEO vorbei.
Ich empfehle oft, mit einem 70/30- oder 60/40-Mix zugunsten von PPC zu starten. So kannst du früh Ergebnisse zeigen, während SEO langsam sein Fundament legt. Nach sechs bis zwölf Monaten verschiebt sich der Mix dann schrittweise Richtung 50/50 oder – bei starkem organischen Wachstum – sogar zugunsten von SEO.
Was du unbedingt vermeiden solltest: unrealistische Erwartungen an SEO. Kein Vorstand freut sich über das Versprechen „bald kommen die Erfolge“, wenn die Pipeline in drei Monaten leer ist. Transparente Kommunikation über Zeitverläufe ist entscheidend.
Organischer Traffic: schwieriger zu halten als früher
Suchergebnisse verändern sich dramatisch. Durch AI Overviews und andere KI-gestützte Snippets in der Google-Suche schrumpfen die Klickzahlen mancher Seiten, obwohl ihre Rankings stabil sind. Nutzer bekommen Antworten direkt in der Ergebnisliste – oftmals ohne überhaupt zu klicken.
Das bedeutet: Auch im SEO-Bereich steigen die Ansprüche. Klassische „How-to“-Texte allein reichen nicht mehr. Du brauchst strukturierte Inhalte, klare FAQs, starke Entitäten-Verknüpfungen und technisches Feintuning wie Schema-Markup. Kurz gesagt: Inhalte müssen suchmaschinenverständlich, aber auch KI-verarbeitbar sein.
Ein gutes Beispiel aus der Praxis: In einem Projekt haben wir alte Blogartikel so überarbeitet, dass sie gezielt auf Fragen in AI Overviews abgestimmt waren. Nach drei Monaten stiegen die Impressionen um 40 %, obwohl die Klickrate fast gleich blieb – ein klares Zeichen, dass Sichtbarkeit heute anders gemessen werden muss.
Mach SEO smarter – nicht teurer
Wenn du dein Budget planst, kalkuliere Mittel ein für:
- kontinuierliche Content-Optimierung, nicht nur für neue Artikel,
- strukturelle Verbesserungen (Core Web Vitals, Crawl-Effizienz),
- visuelle Formate – Videos, Infografiken, interaktive Module,
- und nicht zuletzt: Datenanalyse-Tools, um Relevanz regelmäßig zu bewerten.
Budgetplanung realistisch angehen
Nehmen wir ein Beispiel: Du hast 100.000 € Jahresbudget. Du investierst 80.000 € in PPC und 20.000 € in SEO. Mit einem angenommenen CPC von 3,20 € generierst du 25.000 Klicks und vielleicht 500 Conversions (2 % Conversion Rate). Der SEO-Teil finanziert regelmäßige Contentproduktion plus technische Audits.
Nach einem halben Jahr bringen deine organischen Seiten langsam Traffic, der auch nach Ende der Paid-Kampagne bestehen bleibt. In der idealen Welt verschiebt sich also dein ROI-Fokus: kurzfristig dominieren Paid Leads, langfristig übernimmt organischer Traffic den Löwenanteil – bei sinkenden Kosten.
Wichtig: Budget ≠ statisch
Ich habe gelernt: Die effizientesten Marketingabteilungen sind die, die vierteljährlich justieren. Ist der CPC plötzlich gestiegen? Dann lieber kurzfristig umschichten. Läuft SEO besser als geplant? PPC etwas drosseln, um Reserven für neue Contentinitiativen freizusetzen. Fixe Budgetverteilungen sind gefährlich, weil Märkte sich ständig ändern.
Kommunikation – das unterschätzte Erfolgskriterium
Viele Diskussionen mit Geschäftsführungen drehen sich weniger um die Channel-Logik – sondern um deren Erklärung. Es bringt nichts, mit Fachbegriffen zu jonglieren, wenn die Entscheidungsträger ROI sehen wollen. Ich erkläre es oft mit einem einfachen Bild:
PPC ist ein Wasserhahn – du drehst ihn auf, und Ergebnisse fließen. SEO ist ein Brunnen – du musst ihn einmal bohren, aber dann liefert er beständig.
Richte deine Präsentationen danach aus. Zeig den Verlauf – wann Paid abflacht, wann SEO greift. Visualisiere Szenarien: ein 50/50-Mix vs. ein 70/30-Modell, inklusive Conversion-Volumen und Kostenschätzung. So versteht auch der CFO, warum ein langfristiges Investment Sinn ergibt.
Die richtigen Kennzahlen: nicht alles lässt sich gleich messen
PPC-Erfolge sind messbar bis ins Detail: Impression Share, ROAS, CPA, Conversion Rate. SEO dagegen liefert oft indirekte Werte. Du solltest deswegen nicht versuchen, beide Kanäle nach denselben Maßstäben zu bewerten.
Bei SEO konzentriere dich auf organisches Wachstum, Sichtbarkeitstrends, Engagement und die Rolle als unterstützende Quelle im Conversion-Funnel. Viele Abschlüsse – vor allem im B2B – starten organisch, schließen aber nach einem Klick auf eine Paid-Anzeige ab. Wer das nicht erkennt, bewertet die Kanäle falsch.
Berichte integrieren
Ein gemeinsames Dashboard, das PPC- und SEO-Daten verknüpft, zeigt dir, wo Überschneidungen entstehen. Vielleicht stellst du fest, dass teure Keywords auch stark organisch performen. Dann kannst du PPC dort zurückfahren. Oder du nutzt Paid gezielt, um neue Themen zu testen, die sich später organisch ausbauen lassen.
Wann du reagieren solltest
Angenommen, die PPC-Kosten steigen, aber die Conversion-Rate sinkt – das ist ein Warnsignal. Dann lohnt sich der Umstieg in organische Kanäle oder eine CRO-Offensive (Conversion Rate Optimization). Umgekehrt: Wenn du plötzlich Top-Rankings erzielst, aber wenig Klicks bekommst, brauchst du bessere Titles, klarere Meta-Beschreibungen oder Inhalte, die Nutzer wirklich halten.
Plane regelmäßige Reviews – am besten alle drei Monate – und justiere deinen Mix anhand echter Zahlen, nicht aus Bauchgefühl. Dieses Vorgehen sichert dir Glaubwürdigkeit im Reporting und langfristig bessere Budgetfreigaben.
Häufige Fehler – und wie du sie vermeidest
Der Klassiker: Ein Unternehmen investiert ausschließlich in SEO, erwartet kurzfristige Wunder und erklärt die Strategie nach vier Monaten für gescheitert. Oder das Gegenteil: Alles Geld fließt in Ads, während organische Chancen ungenutzt bleiben. Beide Extreme führen zu Abhängigkeit und Ineffizienz.
Deine Budgetstrategie sollte immer Folgendes abdecken:
- Sofortige Conversion-Treiber (PPC),
- nachhaltige Sichtbarkeit (SEO),
- und laufendes Testing – beides muss sich gegenseitig befruchten.
Oft vergessen: Das, was nach dem Klick passiert. Eine großartige Anzeige bringt nichts, wenn die Landingpage schlecht konvertiert. Plane für CRO, UX und Conversion-Tracking ein eigenes Mini-Budget ein.
Die Balance zwischen heute und morgen
Die Wahrheit ist: Es gibt keine perfekte Formel. Ein junges Startup braucht eine andere Aufteilung als ein etabliertes E-Commerce-Unternehmen. Wichtig ist nur, dass du verstehst, welchen Zweck du mit jedem Euro verfolgst.
Definiere deine Zeithaorizonte – kurzfristig, mittelfristig, langfristig. Lege klare Zielmetriken fest. Kommuniziere, was realistisch erreichbar ist, und bleibe flexibel genug, um deinen Kurs zu korrigieren. Je ehrlicher du mit Erwartungen umgehst, desto eher bekommst du dauerhaft Unterstützung.
Am Ende zählt: Balance statt Perfektion
Ob du 60/40, 50/50 oder 80/20 wählst – entscheidend ist, dass SEO und PPC sich gegenseitig stützen. Das Ziel ist kein Wettbewerb, sondern Synergie. PPC liefert Insights für SEO: Welche Keywords performen wirklich, welche Texte konvertieren? SEO wiederum reduziert langfristig Paid-Abhängigkeit. Wenn du dieses Zusammenspiel verstehst, funktioniert jede Budgetverteilung besser.
Fazit: Ein intelligenter Budgetmix funktioniert wie ein gutes Orchester – verschiedene Instrumente, aber ein gemeinsamer Rhythmus. PPC gibt dir sofort Tempo, SEO sorgt für Tiefe und Nachhaltigkeit. Behalte beides im Takt, justiere regelmäßig – und dein Marketing bleibt sowohl schnell als auch belastbar.