Viele unterschätzen, wie entscheidend interne Verlinkungen für die Wahrnehmung deiner Website durch Suchmaschinen sein können. Ein sauber strukturierter Linkaufbau stärkt deine thematische Autorität, ein unbedachter kann sie im Gegenteil schwächen. Ich habe in den letzten Jahren unzählige Seiten analysiert, die durch falsche interne Verlinkung ihr Potential verschenken – und genau darum geht es hier: zu verstehen, wie interne Links Topical Authority beeinflussen und wie du überprüfst, ob deine Struktur stärkt oder verwässert.
Was Topical Authority wirklich bedeutet
Der Begriff „Topical Authority“ wird oft leichtfertig benutzt. Im Grunde meint er die Einschätzung von Suchmaschinen, inwieweit deine Website als glaubwürdige Quelle zu einem bestimmten Thema gilt. Anders gesagt: Wie gut erkennt Google, dass du Experte in deinem Themengebiet bist? Und diese Expertise wird nicht an Schlagworten oder Content-Menge gemessen, sondern an Konsistenz, Tiefe und interner Vernetzung.
Suchmaschinen sehen eine Website nie isoliert Seite für Seite, sondern als System, das über interne Links, Themencluster und Signalverbindungen zusammenhängt. Wenn deine Inhalte zu einem bestimmten Themenbereich miteinander vernetzt sind, entsteht ein klares Muster: Hier ist jemand, der sich auskennt. Fehlt dieses Muster oder verweist du zu wild durcheinander, nimmt Google zwar Aktivität wahr, aber keine thematische Klarheit – und deine Autorität zerfasert.
Wie interne Links die thematische Autorität lenken
Stell dir Backlinks wie die großen Hauptstraßen vor, über die Autorität von außen in deine Domain fließt. Die internen Links sind dagegen die Verteilwege innerhalb deiner Stadt. Sie bestimmen, **wo sich die Autorität sammelt**, wo sie verdünnt wird und wie Suchmaschinen die Themenzusammenhänge verstehen.
Wenn thematisch passende Seiten sich gegenseitig verlinken – etwa ein Text über „SEO-Grundlagen“ auf eine Unterseite über „On-Page-Optimierung“ –, entsteht eine natürliche Verschaltung, die dem Algorithmus signalisiert: Alles gehört zu einem übergeordneten Thema. Links zu völlig anderen Bereichen – etwa zu „E-Mail-Marketing“-Guides – schwächen diesen Effekt zumindest leicht. Mit falsch gesetzten Links kann also ein Teil deiner mühsam aufgebauten Topical Authority verwässert werden.
PageRank und interne Linkkraft
Obwohl der ursprüngliche PageRank schon alt ist, bleibt die Logik relevant: Links leiten Wert weiter. Nicht alle gleich stark, aber sie sind nach wie vor einer der wichtigsten Wege, Autorität über deine Website zu verteilen. Wenn du interne Links gezielt setzt, leitest du diesen „Wert“ in jene Bereiche, die deine Expertise erklären – anstatt ihn durch beliebiges Herumverlinken zu verstreuen.
Worauf es bei internen Links wirklich ankommt
In meiner Arbeit schaue ich mir vier Aspekte sehr genau an, wenn ich interne Verlinkungen beurteile: die technische Umsetzbarkeit, die Platzierung, den Ankertext und die thematische Nähe zwischen Quell- und Zielseite.
1. Kann der Link überhaupt Autorität weitergeben?
Ein Link mit nofollow oder rel=sponsored sendet ein anderes Signal als ein regulärer Follow-Link. Außerdem bringt eine Verlinkung von Seiten, die für Searchbots gar nicht zugänglich sind (zum Beispiel per robots.txt gesperrt), schlicht nichts. Oft sehe ich bei Audits, dass Teile der Navigation blockiert sind – und damit fließt Autorität ins Leere.
2. Wo steht der Link auf der Seite?
Es gibt hier keine harte Regel, aber Erfahrungswerte: Links im Hauptinhalt, also in dem Bereich, der den Kern der Seite bildet, tragen mehr zur thematischen Verständlichkeit bei als Footer- oder Sidebar-Links. Letztere wirken für Suchmaschinen eher wie wiederkehrende Strukturelemente, nicht wie gezielte Empfehlungen. Wenn du also bestimmte Seiten stärken willst, platziere den Link so, dass er kontextuell Sinn ergibt – mitten im Text, da wo der Nutzer ohnehin inhaltlich am Thema ist.
3. Das Gewicht des Ankertexts
Was im Link steht, ist fast so wichtig wie der Link selbst. Der Ankertext ist der Hinweis, worum es auf der Zielseite geht. Wenn die verlinkende Seite etwa das Wort „technische SEO-Checkliste“ benutzt, weiß Google, dass die Zielseite genau darauf einzahlt. Allgemeine Formulierungen wie „hier klicken“ helfen dagegen niemandem.
4. Thematische Nähe von Quelle und Ziel
Wenn du themenverwandte Seiten miteinander verbindest, etwa aus dem gleichen Cluster „SEO“, entstehen starke Zusammenhänge. Eine Seite über „Keyword-Recherche“ auf deiner Domain, die auf „Content-Strategie für Keywords“ verweist, stützt deren Relevanz. Eine Verlinkung aus einem ganz anderen Thema, etwa „Social Media Trends“, mag für Nutzer interessant sein, für Suchmaschinen wirkt sie aber wie ein Sprung in ein anderes Themengebiet – also neutral oder im schlechtesten Fall verwässernd.
Wie du prüfen kannst, ob dein internes Linknetz stärkt oder schwächt
Natürlich könntest du theoretisch versuchen, die Autoritätsflüsse wie ein PageRank-Modell nachzurechnen – aber das ist mühselig und realistisch gesehen für die meisten unnötig. Was ich empfehle, ist ein pragmatischer Ansatz, der dir schnell zeigt, ob du tendenziell richtig liegst.
Schritt 1: Sammle deine internen Links
Crawl deine Website mit einem Tool wie Screaming Frog oder Sitebulb und exportiere alle internen Links samt Quell- und Ziel-URL und Ankertext. Damit hast du deine Datenbasis. Nimm am besten ein aussagekräftiges Sample – zum Beispiel die wichtigsten Content-Hubs.
Schritt 2: Gruppiere deine Seiten in Themencluster
Ordne jede Seite einer inhaltlichen Kategorie zu. Wenn du etwa einen Onlineshop mit Bastelbedarf betreibst, könntest du „Textilkunst“ und „Schneiden/Gravieren“ als übergeordnete Cluster definieren. Unter „Textilkunst“ fallen dann Unterseiten wie „Stricken“, „Häkeln“, „Weben“ usw. So erkennst du, welche Seiten eigentlich zusammengehören.
Schritt 3: Berechne, wie viele Links innerhalb des Clusters bleiben
Jetzt prüfst du, wie groß der Anteil der Links ist, die thematisch innerhalb ihrer eigenen Gruppe bleiben. Wenn eine Seite 100 interne Follow-Links hat und 60 davon aus dem gleichen Themencluster stammen, wären das 60%. Meine Faustregel: Ab etwa 75% innerhalb des Clusters ist der Aufbau stark fokussiert. Liegt die Quote deutlich darunter, besteht Verbesserungspotenzial.
Bewerte die Ankertexte – sind sie relevant oder verwässert?
Schau dir an, welche Formulierungen innerhalb der Links verwendet werden. Entferne Standardlinks aus der Navigation oder dem Footer, um die echte kontextuelle Verlinkung zu betrachten. Analysiere dann die Ankertexte: sind sie thematisch passend, neutral oder irrelevant?
Ich kategorisiere das meist grob:
- Topisch relevant: „Lerne, wie man SEO-Audits durchführt“, wenn die Zielseite genau das erklärt.
- Topisch neutral/irrelevant: „Starte ein neues Hobby“ – sagt wenig über das konkrete Thema aus.
- Generisch: „Hier klicken“, „weiterlesen“ – nicht hilfreich für Suchmaschinen.
Danach kann man den Anteil relevanter Ankertexte pro Seite bestimmen. Wenn etwa nur 30 % aller internen Links passende, beschreibende Texte haben, dann ist das ein klares Zeichen, dass Suchmaschinen die Relevanz nicht richtig zuordnen können.
Und wie steht es um die Suchintention?
Ein oft übersehener Punkt: Die Intention des Ankertexts. Zeigen die Links auf informierende Inhalte oder verkaufen sie dem Nutzer etwas? Wenn du beispielsweise auf einen Ratgeber mit Texten wie „Produkte für Einsteiger kaufen“ verlinkst, verwischst du die Intention der Zielseite. Eine gute interne Linkstruktur hat einen klaren Intent-Fokus pro Seite. Wer zu sehr mischt – also gleichzeitig „lernen“, „entdecken“ und „kaufen“ anspricht – erzeugt semantische Unschärfe.
Die praktische Umsetzung – mein Vorgehen in Projekten
In der Praxis fange ich meist klein an: ein Themencluster, zehn bis dreißig Seiten. Ich identifiziere die Querverbindungen, bewerte Ankertexte und prüfe, wie homogen die Verlinkungen sind. Was dabei fast immer auffällt: ein paar „vergessene“ Seiten, auf die kaum intern verwiesen wird. Diese sogenannten „Waisen“ sind echte Lecks in deinem Autoritätsfluss. Sie sollten idealerweise innerhalb des Clusters eingebunden werden.
Danach passe ich Schritt für Schritt die wichtigsten Verbindungen an – thematisch passender Ankertext, konsistente Intent-Zuordnung, klare Hierarchie von Haupt- zu Unterseite. Nach ein paar Wochen sieht man oft schon in der Search Console, dass die Seiten besser für ihre Zielkeywords ranken oder häufiger Impressionen erhalten.
Ein paar persönliche Beobachtungen aus der Praxis
Manchmal ist es kontraintuitiv: Zu viele interne Links können ebenso kontraproduktiv sein wie zu wenige. Wenn eine Seite mit Hunderten Links vollgestopft ist, verliert jeder einzelne an Wert. Suchmaschinen teilen die Aufmerksamkeit gewissermaßen auf. Daher ist Qualität wichtiger als Quantität.
Auch der Kontext spielt eine Rolle: Ich habe Projekte gesehen, bei denen man versuchte, jede Produktseite aus jedem Blogartikel zu verlinken – in der Hoffnung auf Traffic. Das Ergebnis? Google verstand das Blogsegment plötzlich nicht mehr als Informationsquelle, sondern als verlängerter Shoparm – mit entsprechenden Ranking-Einbrüchen bei informationsorientierten Keywords. Saubere Trennung zwischen informierenden und verkaufsorientierten Bereichen ist also essenziell.
Wie du Schwächen erkennst und gezielt optimierst
Wenn du feststellst, dass ein Themencluster weniger intern verlinkt ist oder zu viele irrelevante Ankertexte aufweist, solltest du gezielt neue interne Links setzen. Starte mit deinen stärksten Seiten – denen, die Traffic haben oder externe Backlinks besitzen – und leite von dort gezielte, kontextreiche Links auf deine unterperformenden Artikel weiter.
Verwende dabei klare Beschreibungen, z. B. „ausführliche Anleitung zur Keyword-Analyse“ statt „mehr erfahren“. So schaffst du Verbindungen, die Nutzer führen und Suchmaschinen Orientierung geben.
Dein Ergebnis: ein fokussiertes internes Ökosystem
Am Ende einer solchen Analyse weißt du genau, wo deine Themenarchitektur unscharf ist und wie du sie verdichten kannst. Das Schöne: Du brauchst keine neuen Inhalte, sondern nutzst nur das, was schon da ist – intelligenter. Interne Links sind einer der effizientesten Hebel überhaupt, um Autorität zu bündeln, und werden dennoch oft stiefmütterlich behandelt.
Wenn du konsequent darauf achtest, dass Themencluster klar definiert sind, dass die Ankertexte passen und die Intention einheitlich bleibt, wirst du feststellen: Deine Inhalte verstärken sich gegenseitig. Und das, ehrlich gesagt, ist der schönste Nebeneffekt – nicht nur Suchmaschinen durchschauen deine Struktur besser, auch deine Nutzer finden sich intuitiv zurecht.
Topical Authority ist kein Mysterium, sondern das Ergebnis von Kohärenz, Tiefe und interner Logik. Und genau hier setzen gute interne Links an: Sie machen sichtbar, dass du wirklich weißt, wovon du sprichst.