Immer häufiger fragen Unternehmen ihre SEO-Agenturen oder internen Teams, was sie in Zeiten von künstlicher Intelligenz eigentlich tun sollen, um „SEO für AI“ zu betreiben. Der Wunsch nach schnellen, neuen Strategien ist groß – aber genau diesen Reflex sieht Google kritisch. In verschiedenen Gesprächen hat Googles Suchvertreter Danny Sullivan erklärt, welche Haltung aus seiner Sicht jetzt richtig ist: weniger Chaos, mehr Konzentration auf die Grundlagen.
Wenn der Kunde „AI‑SEO“ verlangt
Ich kenne diese Situation selbst nur zu gut: Da sitzt ein Kunde vor dir, die KI-Schlagzeilen sind überall, und plötzlich heißt es: „Wir brauchen jetzt auch etwas für die AI‑Suche!“ Sullivan sagt dazu ganz offen: Das Bedürfnis nach „Neuem“ sei verständlich, aber es führe oft in die falsche Richtung. Vieles, was jetzt als AEO oder GEO – also „Answer Experience Optimization“ oder „Generative Experience Optimization“ – verkauft werde, sei im Kern nichts anderes als gutes SEO, nur hübscher verpackt.
Sein Rat: Erkläre, dass langfristiger Erfolg im Suchumfeld weiterhin auf derselben Basis aufbaut wie bisher – saubere Inhalte, verlässliche Websites, nutzerfokussierte Informationen. Die neuen Oberflächen der Suche – ob Text‑, Sprach‑ oder KI‑Module – greifen auf dieselben Inhalte zu und bewerten dieselben Signale. Wer sich jetzt hektisch auf jeden neuen „AI-Hack“ stürzt, riskiert, altbewährte Strategien zu zerstören.
Der klügere Umgang mit Veränderungen
Ich finde es spannend, wie er das formuliert: Man müsse nicht „alles umkrempeln“, nur weil sich die Darstellung von Suchergebnissen verändert. Es gehe vielmehr darum, die solide Basis beizubehalten und mit neuen Entwicklungen mitzudenken, ohne sie zu romantisieren. Wenn man das so kommuniziert, verstehen auch ungeduldige Kunden, dass SEO kein Strohfeuer ist, sondern eine Langzeitinvestition.
Warum hastige AI‑Taktiken oft schaden
Gerade im SEO‑Umfeld tauchen momentan wieder Methoden auf, die stark an 2005 erinnern: Keyword-Stopferei, Fake‑Listen mit „den besten Tools“ – manchmal inklusive Selbstempfehlung –, automatisch generierte Texte, alles im Namen von „Ranken in ChatGPT“. Der Effekt? Minimal. Die meisten AI‑Suchdienste liefern nur winzige Anteile am gesamten Traffic, oft unter einem halben Prozent. Wer seine Energie komplett auf solche Experimente verlagert, verbrennt Ressourcen, ohne reale Besucher zu gewinnen.
Auch Sullivan warnt davor, sich vom Hype leiten zu lassen. Dramatische Richtungsänderungen, sagt er, machen alles nur komplizierter. Wer gleichzeitig SEO für klassische Suche und für unklare KI‑Systeme orchestriert, baut sich ein kaum steuerbares Doppel-System – und verliert am Ende in beiden Welten.
Ein Kollege von mir hat das einmal mit einer Baustelle verglichen: Wenn man alle Grundmauern abreißt, nur weil man eine neue Fassade will, steht am Ende gar nichts mehr. Genau das passiert vielen Websites, die wegen vermeintlicher „AI‑Optimierung“ ihre gewachsene Struktur zerstören.
Technik verliert an Gewicht – aber verliert nicht ihren Sinn
In der Diskussion über „AI‑SEO“ kam auch John Mueller ins Spiel, einer der erfahreneren Google‑Vertreter. Er erinnerte daran, dass der technische Teil der Suchmaschinenoptimierung früher noch dominanter war: XML‑Sitemaps, URL‑Parameter, Indexierungsfehler, all das musste manuell gepflegt werden. Heute übernehmen moderne Content‑Management‑Systeme diese Grundlagen automatisch. WordPress, Wix, Squarespace – sie können fast alles, was man früher mühsam per Hand anpassen musste.
Dadurch rückt der inhaltliche Teil stärker in den Mittelpunkt. Sullivan sieht darin einen Gewinn: Je weniger Zeit für technische Feuerwehrarbeit, desto mehr Freiraum bleibt für Recherche, Texte, Nutzerintention – sprich für Substanz. Und genau diese Qualität brauche es, wenn Inhalte künftig auch in KI‑Antworten zuverlässig auftauchen sollen.
Die Rückkehr zum Handwerk
Ich mag den Gedanken sehr, dass SEO wieder mehr nach Handwerk klingt als nach Code-Optimierung. Das erinnert mich an meine Anfänge, als gute Beratung noch darin bestand, wirklich zu verstehen, wer etwas sucht und warum. Sullivan beobachtet selbst, dass viele Autoren und Seitenbetreiber inzwischen sagen: „Ich will mich gar nicht mehr in jedem Update verlieren. Ich schreibe einfach wieder, was mir wichtig ist.“ Genau da liegt laut ihm der Kern des Erfolgs: Wer mit Begeisterung und Wissen schreibt, profitiert automatisch – ob im klassischen Index oder im AI‑Snippet.
Was aus meiner Sicht jetzt wirklich zählt
Erstens: Ruhe bewahren. Kunden haben ein Recht auf Information, aber nicht auf Paniklösungen. Eine ehrliche Erklärung, dass AI‑Oberflächen immer noch auf denselben Qualitätsmechanismen aufbauen wie die Standardsuche, wirkt seriöser als jede neue Abkürzung.
Zweitens: Qualität vor Geschwindigkeit. AI‑Systeme lernen, indem sie auf hochwertige Quellen zugreifen. Wenn deine Seite solide, verständliche, aktuelle Inhalte liefert, wird sie langfristig auch dort eine Rolle spielen. Wer Inhalte nur taktisch formatiert, um irgendwo „zitiert“ zu werden, verliert schnell an Glaubwürdigkeit.
Drittens: Struktur nicht vernachlässigen. Auch wenn CMS vieles vereinfacht, lohnt sich technisches Verständnis: Performance, saubere Linkstruktur, sinnvolle interne Verknüpfung – das alles bleibt relevant. Technisches SEO wird leiser, aber nicht überflüssig.
Das Gespräch als Leitlinie
Ich glaube, der wahre Wert von Sullivans Aussagen liegt darin, dass sie SEOs Rückenwind geben, im Kundengespräch wieder klarer zu kommunizieren. Statt jedem Trend hinterherzurennen, kann man sich auf Aussagen wie diese stützen: „Ja, wir beobachten AI‑Search. Aber wir wissen auch: Diese Systeme basieren auf denselben Indexdaten. Deshalb konzentrieren wir uns auf Inhalte, die Google – und auch jedwede KI – als verlässlich erkennt.“
Ein solches Gespräch zeigt Kompetenz und Weitblick. Der Kunde fühlt sich ernst genommen, und man bleibt strategisch stabil. Aus meiner Erfahrung wächst genau daraus Vertrauen – und das ist in dieser Branche fast so wertvoll wie ein gutes Ranking.
Kleine Randnotiz
Interessant ist, wie stark sich SEO historisch immer wieder selbst erfindet. Jede neue Plattform – Mobile, Voice, jetzt AI – löst einen Zyklus aus: Unsicherheit, Experiment, Chaos, Konsolidierung. Am Ende zeigt sich immer wieder: Die Systeme werden komplexer, aber die Prinzipien bleiben klar – relevanter Inhalt, technisches Fundament, Nutzerfokus. Wer das nie aus den Augen verliert, übersteht auch die aktuelle Welle.
Fazit
Du musst deinem Kunden nichts vormachen: Es gibt kein „magisches AI‑SEO‑Rezept“. Was wirklich zählt, ist das kontinuierliche Arbeiten an guter Information. Künstliche Intelligenz ändert die Form der Suche, nicht ihren Zweck – sie will präzise, verlässliche Antworten liefern. Und genau das lieferst du, wenn du deine Inhalte so gestaltest, dass echte Menschen sie nützlich finden. Alle Rankingsysteme – ob traditionell oder AI‑gestützt – bauen letztlich darauf auf.
Falls du also das nächste Mal gefragt wirst, was du für „AI‑SEO“ tust, kannst du ruhig antworten: „Ich tue genau das, was in Zukunft am meisten Wirkung haben wird – ich sorge für Qualität.“