Chaotisches Web enthüllt: SEO im Zeitalter der KI Bots

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Es gibt jedes Jahr diesen faszinierenden Moment, wenn das „Web Almanac“-Projekt sein neues Datenkapitel veröffentlicht – eine gigantische Sammlung von Messdaten, die das Internet fast seziert. Aus diesem enormen Material entstehen meist ganz praktische Erkenntnisse darüber, was auf dem Web tatsächlich passiert. Und doch entdeckt man bei genauerem Hinsehen, wie chaotisch vieles hinter den Kulissen wirklich ist.

Ich habe mir die neuesten Erkenntnisse angesehen, die aus der Analyse des HTTP‑Archive‑Datensatzes hervorgehen, und mich in die Gespräche und Analysen vertieft, die dort zu den Themen Bots, CMS‑Einfluss und llms.txt‑Dateien geführt wurden. Besonders aufschlussreich war, wie SEO‑Spezialist Chris Green das Bild des Webs beschreibt: gebrochen, unübersichtlich, aber voller Hinweise darauf, wohin sich die Suchoptimierung in einem zunehmend KI‑getriebenen Umfeld entwickelt.

Ein chaotisches, aber messbares Web

Wer täglich im SEO‑Geschäft steckt, weiß: Das Web ist kein sauber geordneter Raum. Laut Green ist es schlicht „messy“ – unaufgeräumt, widersprüchlich, fragmentiert. Die Daten des Almanac machen das unmissverständlich deutlich. Selbst einfache Standards wie robots.txt oder Metadaten werden unterschiedlich oder gar fehlerhaft genutzt. Trotzdem liefern die Zahlen ein ehrliches Bild des tatsächlichen Zustands – weniger von unseren idealisierten Vorstellungen, sondern von dem, was technisch wirklich draußen passiert.

Bot‑Management: Mehr als nur Google erlauben oder blocken

Früher war die Sache einfach: Entweder du lässt Google crawlen oder nicht. Heute sieht das anders aus. Die Zahl der Bots und Crawler ist explodiert, und viele davon dienen neuen Zwecken – vor allem der Künstlichen Intelligenz. Diese greift teils auf Inhalte zu, um Modelle zu trainieren oder Informationen zusammenzuführen, oft ohne dass klar ist, was genau damit geschieht.

Green betont, dass wir SEOs lernen müssen, zwischen den verschiedenen Typen von Bots zu unterscheiden. Einige sind unverzichtbar, andere potenziell schädlich. Das Problem: Es gibt bislang keine verbindliche Ethik oder einheitliche Durchsetzung der Regeln. Selbst wenn eine robots.txt bestimmte Zugriffe untersagt, bedeutet das nicht, dass sich KI‑Plattformen daran halten.

Komplizierter wird es innerhalb großer Organisationen. Green beschreibt ein Szenario, das man in vielen Teams wiedererkennt: Die IT möchte Kosten sparen und sperrt alle Bots außer den großen Suchmaschinen, während die Redaktion Angst vor Content‑Diebstahl hat. Wer dann die Auswirkungen auf KI‑Erwähnungen oder auf die künftige Auffindbarkeit ignoriert, schneidet sich selbst ins Fleisch. Im Grunde muss man eine Balance zwischen Sichtbarkeit, Datenschutz und Ressourcenschonung finden – und das setzt ein Umdenken voraus.

Die Debatte um llms.txt

Ein besonders spannender Punkt aus dem Report betrifft die neue Datei llms.txt. Sie soll festlegen, wie KI‑Systeme den Inhalt einer Website nutzen dürfen. Obwohl die großen Anbieter – insbesondere Google oder OpenAI – bisher keine offizielle Unterstützung zugesagt haben, setzen laut Web Almanac rund 2 % aller untersuchten Webseiten bereits eine solche Datei ein.

Das mag wenig klingen, ist aber mehr, als viele Experten erwartet haben. Ein Grund dafür: Einige CMS‑Systeme und SEO‑Plugins – etwa von Anbietern wie Yoast – haben die Funktion einfach integriert. Die Administratoren übernehmen sie dadurch oft automatisch.

Green sieht das Ganze mit Vorsicht. Für ihn ist llms.txt derzeit eher ein Symbol als ein funktionierender Standard. „Google braucht das nicht“, meint er – und tatsächlich hat das Unternehmen mehrfach erklärt, dass es diese Datei nicht verwenden wird. Auch OpenAI hat bisher eher andere Prioritäten. Dennoch gibt es einzelne Fälle, in denen KI‑Crawler solche Dateien bereits abrufen. Wirklicher Nutzen? Noch unklar. Aber es könnte langfristig zu einer Art Gleichstellungsmerkmal werden – ein technisches Signal, das der eigenen Website zumindest formell Kontrolle über Datennutzung zugesteht.

SEO und KI – zwei Welten, die sich überschneiden

Tatsächlich bleibt der Kern dessen, was SEO ausmacht, erstaunlich stabil. Green nennt es „reassuringly the same where it matters“ – also beruhigend gleich dort, wo es zählt. Die Grundlagen wie Indexierbarkeit, Strukturierung und Inhaltsqualität verlieren nicht an Bedeutung, auch wenn sich die Oberflächen verändern.

Und doch: Ein Teil der Arbeit verschiebt sich. Statt wie früher nur Seiten für Suchmaschinen zu optimieren, müssen wir heute Inhalte so gestalten, dass sie auch in Maschinenumgebungen, Feeds und Trainingsdaten verstanden werden. Green erwartet, dass SEOs künftig stärker an Datenfeeds und API‑Strukturen arbeiten, statt an statischen Webseiten. Wenn Google etwa direkt aus einem Produkt‑Feed einkaufen lässt, steht die klassische Website zunehmend „außen vor“. Optimierung bleibt nötig – nur eben an anderen Stellen.

CMS‑Systeme als heimliche SEO‑Taktgeber

Einer der faszinierendsten Punkte der Analyse betrifft die enorme Macht von CMS‑Plattformen. Ob WordPress, Shopify oder Wix – sie prägen heute das technische Rückgrat des Internets weit mehr, als viele Optimierer wahrhaben wollen. Green sagt offen, dass Plattformen mit Millionen Websites faktisch definieren, wie sauber On‑Page‑Struktur, Canonicals oder Performance‑Metriken umgesetzt werden. Einzelne SEOs mögen ihre Best Practices kennen, aber ihr Einfluss endet oft am Code der Plattform.

Das bedeutet gleichzeitig: Wer als Einzelner wirklichen Einfluss auf die Branche haben will, sollte dort ansetzen – also mit Entwicklern oder Plugin‑Anbietern sprechen, nicht nur mit einzelnen Kundenprojekten. Insofern haben CMS‑Hersteller heute einen größeren Anteil daran, wie „gesund“ das Web technisch wirklich ist, als die meisten Spezialisten zusammen.

Diese Erkenntnis ist durchaus ernüchternd. Green nennt es ein strukturelles Problem: Selbst wenn SEOs ihr Handwerk sauber ausführen, bleibt das Netz an vielen Stellen defekt. Veraltete Themes, falsch gesetzte Redirects, fehlende Schema‑Daten – all das summiert sich. Die Folge: „Das Web ist wirklich messy.“ Und damit ist nicht nur das visuelle Chaos gemeint, sondern die fehlende Standardisierung tief in den technischen Schichten.

KI‑Agenten übernehmen – aber nicht dich

Ein weiterer Themenkomplex dreht sich um Automation und sogenannte AI Agents. Für Green sind sie keine Bedrohung der SEO‑Rolle, sondern Werkzeuge, die schlechte Prozesse ersetzen. Viele Aufgaben – Logfile‑Analysen, Datenaggregation, Keyword‑Cluster – lassen sich bereits heute teilautomatisieren. Der Mensch aber bleibt gefragt, wenn es darum geht, Muster zu erkennen, Hypothesen zu formulieren und Entscheidungen im Unternehmenskontext zu treffen.

Er zieht den Vergleich zu einem guten Praktikanten: Lass ihn 80 % der Fleißarbeit machen, aber steuere das Ergebnis durch deine Erfahrung auf den letzten Metern. Das eigentliche Risiko liegt nicht in der Automatisierung selbst, sondern darin, schlechte Prozesse zu automatisieren. Dann vervielfacht man nur Ineffizienz. Wer aber seine Abläufe versteht und gezielt verbessert, kann durch Bots und KI massiv Tempo gewinnen – ohne Qualität einzubüßen.

Genau hier sieht Green eine wichtige Zukunftskompetenz für SEOs: Prozessverständnis. Wer lernt, Automationen zu designen und zu überwachen, statt einfach nur Tools zu bedienen, wird langfristig unersetzlich bleiben.

Neue Aufgaben für SEOs im komplexen Ökosystem

Wenn man all diese Punkte verbindet, lässt sich kaum sagen, dass SEO verschwindet. Vielmehr verschiebt sich die Rolle. Sichtbarkeit bedeutet heute nicht mehr nur Ranking in Suchergebnissen, sondern Auffindbarkeit über APIs, KI‑Antworten oder visuelle Oberflächen. Wer das Zusammenspiel versteht, kann enorme Vorteile erzielen.

Der Web‑Almanac‑Report verdeutlicht: Standard‑Defizite sind Chancen. In einer Welt, in der viele Systeme fehlerhaft oder halb umgesetzt sind, unterscheiden sich die Besten schlicht dadurch, dass sie es richtig machen. Präzise strukturierte Daten, saubere Sitemap‑Architektur oder konsistente Performance‑Signale schaffen direkte Wettbewerbsvorteile.

Ebenso entscheidend bleibt der menschliche Faktor. Daten allein genügen nicht – sie brauchen Interpretation, Priorisierung, Empathie gegenüber Nutzerinteressen. Automatisierte Prozesse sind großartig, solange sie richtig gestartet werden. Werden sie jedoch falsch aufgebaut, verschlingen sie Ressourcen, ohne Mehrwert zu schaffen.

Mein Fazit

Wenn ich nach der Lektüre dieser Erkenntnisse auf die Branche schaue, bleibt ein klarer Gedanke: Erfolg im SEO‑Umfeld 2026 bedeutet, Komplexität anzunehmen. Wir haben es nicht mehr nur mit Suchmaschinen zu tun, sondern mit einem Geflecht aus KI‑Bots, Feeds, CMS‑Automation und unzähligen Schnittstellen. Wer versucht, dieses Geflecht zu ignorieren, verliert Schritt für Schritt Relevanz.

Die gute Nachricht? Die Grundlagen bleiben bestehen. Technisches Verständnis, sauberer Code, hochwertiger Inhalt – sie bilden nach wie vor das Fundament. Aber drum herum entsteht ein neuer Layer: Prozessdenken, ethischer Umgang mit Daten, Verständnis für Plattform‑Ökosysteme und ein souveräner Umgang mit KI‑Hilfsmitteln.

Ich glaube, dass die kommenden Jahre weniger von einzelnen Ranking‑Tricks geprägt sein werden, sondern von strategischer Vernetzung – zwischen Content‑Teams, Entwicklern, Daten‑Analysten und KI‑Systemen. Die Arbeit wird breiter, aber auch spannender. Und wer Lust hat, in diesem Chaos klare Strukturen zu schaffen, steht vor einer goldenen Zeit für gute, neugierige SEOs.

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Tom Brigl, Dipl. Betrw.

Ich bin SEO-, E-Commerce- und Online-Marketing-Experte mit über 20 Jahren Erfahrung – direkt aus München.
In meinem Blog teile ich praxisnahe Strategien, konkrete Tipps und fundiertes Wissen, das sowohl Einsteigern als auch Profis weiterhilft.
Mein Stil: klar, strukturiert und verständlich – mit einem Schuss Humor. Wenn du Sichtbarkeit und Erfolg im Web suchst, bist du hier genau richtig.

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