Core Update Dezember: Nischenseiten siegen über Generalisten

Inhaltsverzeichnis

Das Jahresende brachte Bewegung in der SEO-Welt. Mitte Dezember startete Google sein großes Core Update, das über mehrere Wochen lief und kurz vor dem Jahreswechsel abgeschlossen wurde. Ich beobachte solche Updates immer mit gemischten Gefühlen – einerseits sind sie Routine, andererseits können sie für viele Websites einschneidende Folgen haben. Nach den ersten Tagen zeichnete sich ein wiederkehrendes Muster ab: Spezialisierte Websites profitieren, während breit aufgestellte Generalisten verlieren. Vor allem Portale und Newsseiten mussten kräftige Schwankungen verkraften, während Marken mit klarer Produktkompetenz an Sichtbarkeit gewannen.

Der Kern des Updates

Das Update lief vom 11. bis 29. Dezember und veränderte die Suchergebnisse spürbar. Wer genauer hinschaut, bemerkt: Google hat erneut stärker auf die inhaltliche Tiefe und Spezialisierung geachtet. Allgemeine Ratgeber- oder Vergleichsseiten, die „alles zu allem“ erklären wollen, hatten es schwerer. Dagegen legten Seiten zu, die sich glaubhaft auf eine Nische oder ein Themengebiet konzentrieren – etwa ein Mode-Label, das nur Jacken verkauft, oder ein Software-Anbieter mit Fokus auf Buchhaltungsprogramme.

Das Prinzip klingt vertraut: Google will die besten Ergebnisse für einen bestimmten Suchkontext liefern. Das Update scheint die Fähigkeit der Suchmaschine verbessert zu haben, zu erkennen, ob eine Website zu einem Thema echte Autorität besitzt oder nur oberflächlich Inhalte abdeckt. Nach meiner Erfahrung wird dieser Trend seit Jahren stärker, aber diesmal war er besonders deutlich spürbar.

Was konkret verschoben wurde

Drei Bereiche waren besonders betroffen: Publikationen, E-Commerce und SaaS.

1. Publikationen und Magazine

Viele Medienportale mussten Verluste hinnehmen, vor allem bei Suchanfragen wie „best of“ oder „beste Produkte“. Früher konnte man solche Listenartikel relativ leicht ranken – ein Magazin schrieb einen Überblick über die „besten Sneaker 2024“ und landete schnell auf Seite eins. Jetzt tauchen für solche Begriffe häufiger Produkt- oder Markenwebsites auf, die die Schuhe tatsächlich herstellen oder verkaufen. Das heißt: Google interpretiert diese Suchen stärker kommerziell. Wer also nach „beste Winterjacke“ fragt, will nicht unbedingt eine journalistische Empfehlung lesen, sondern direkt kaufen.

Ein Beispiel: Während Gaming-Portale früher Rankings mit Titeln wie „Beste Spiele für die Switch“ dominierten, verdrängen nun Herstellerseiten oder offizielle Stores diese Ergebnisse. Aus meiner Sicht ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass Google „Best-of“-Keywords immer häufiger als Produktkaufabsicht wertet, nicht als Informationssuche.

2. E-Commerce und Händler

Spannend war auch der E-Commerce-Bereich. Große, breit gefächerte Händler wie Kaufhausketten verloren bei mittleren Kaufentscheidungs-Keywords – etwa „Winterstiefel Damen“ oder „Herrenduft“. Dagegen gewannen spezialisierte Marken mit klarer Nischenkompetenz: Outdoormarken wie The North Face oder Hersteller von Parfüms wie Fragrance Market rückten weiter nach vorn. Es scheint, als traue Google Marken, die ein Thema wirklich besitzen und inhaltlich wie produktionell abdecken, mehr zu als Sammelplattformen mit sehr breitem Sortiment.

Das lässt sich gut nachvollziehen: Wer gezielt nach einer bestimmten Kategorie sucht, erwartet Expertise – und die kann eine spezialisierte Marke glaubwürdiger vermitteln. Allgemeine Händler bieten zwar Vielfalt, wirken aber weniger kompetent für einzelne Segmente. Dieses Muster zeigt sich inzwischen in vielen Branchen, vom Modebereich bis zur Elektronik.

3. Software und SaaS-Anbieter

Im Software-Segment traf es vor allem Sammelportale und Generalisten. Große Vergleichsseiten und Nachrichtenportale verloren an Sichtbarkeit. Dafür gewannen Anbieter, die ihre Programme klar für bestimmte Zielgruppen positionieren: Buchhaltungssoftware für Selbstständige, CRM-Systeme für Agenturen usw. Statt allgemeiner Ratgeber wie „beste Buchhaltungssoftware“ tauchen nun die offiziellen Produktseiten dieser Anbieter auf. Das unterstreicht, dass dieses Update stark darauf zielt, Expertise, Spezialisierung und E-E-A-T-Signale (Experience, Expertise, Authoritativeness, Trustworthiness) noch stärker zu gewichten.

Newsportale unter Druck

Die vielleicht größten Schwankungen betrafen Nachrichtenseiten. Mehrere internationale Medien meldeten drastische Sichtbarkeitsverluste – einige davon speziell in den USA. Besonders auffällig war dies bei Verlagen aus Indien, deren Inhalte in amerikanischen Suchergebnissen oft in Google News und Discover gelistet waren. Die Rankings dieser Portale rutschten deutlich ab. Ob das etwas mit der geografischen Relevanz der Inhalte zu tun hat oder mit tiefergreifenden Änderungen im News-Algorithmus, bleibt offen.

Auch in Europa und den USA spürten Redaktionen, dass sich in den Bereichen Google News, Discover und Top Stories einiges verschoben hat. In meinen Gesprächen mit SEO-Kollegen in Medienhäusern fiel auf: Die Traffic-Zahlen aus Discover können von einem Tag auf den anderen zweistellig abstürzen – völlig unabhängig von den eigentlichen Website-Rankings. Das macht Planung und Reporting für News-Teams schwierig. Offenbar testet Google weiterhin stark, wie Nachrichtenlinien und Themenautorität in die Gesamtsuche einfließen.

Eine interessante Hypothese dazu: Das Update könnte Aspekte des sogenannten Topic-Authority-Systems verstärkt haben. Dabei priorisiert Google Quellen, die für ein bestimmtes Nachrichtengebiet dauerhaft Expertise aufgebaut haben – etwa ein Gesundheitsmagazin für medizinische Themen oder ein Wirtschaftstitel für Finanzen. Wenn das zutrifft, müssten Redaktionen künftig noch stärker in klar abgegrenzte Ressortkompetenzen investieren. Ein General-News-Portal ohne fachliche Tiefe hat es in dieser Logik schwer.

Die übergreifenden Muster

Wenn man all diese Beobachtungen zusammennimmt, ergibt sich ein ziemlich klares Bild: Google bewegt sich weiter konsequent in Richtung Spezialisierung statt Breite. Das gilt nicht nur für einzelne Inhalte, sondern für ganze Websites. Seiten, deren Themenstruktur diffus ist, geraten ins Hintertreffen; wer dagegen durchgängig eine Expertise-Story erzählt, kann punkten.

Im Detail zeigt das Update drei große Tendenzen:

  • Klar definierte Nischen – Websites, die einen eindeutigen thematischen Schwerpunkt haben, gewinnen.
  • Kommerzialisierung von Suchintention – viele Keywords, die früher als informativ eingestuft wurden, behandelt Google jetzt als transaktional.
  • Sinkende Toleranz gegenüber „Allround“-Content – oberflächliche oder aggregierte Seiten ohne eigene Erfahrung verlieren Vertrauen.

Diese Umstellung ist keine Überraschung. Google optimiert ständig, um Nutzern „bessere“ Antworten zu liefern. Und besser bedeutet in diesem Kontext meist: relevanter, glaubwürdiger und nützlicher. Die KI-gestützten Ranking-Systeme sind inzwischen in der Lage, feine Unterschiede in der Intent-Struktur einer Suchanfrage zu erkennen. Deshalb ist logisch, dass eine Seite über Parfüms von der Marke selbst relevanter wirkt als eine allgemeine Lifestyle-Website, die einmal einen Duftvergleich veröffentlicht hat.

Was das konkret für dich bedeutet

Wenn du eine Website betreibst, ist dieses Update ein Weckruf. Es lohnt sich, die eigene Positionierung kritisch zu prüfen. Wofür steht deine Site wirklich? Hast du einen klar erkennbaren fachlichen Fokus, oder schreibst du über alles Mögliche? Google scheint inzwischen deutlicher denn je zu bewerten, ob Inhalte zu deiner Kernkompetenz passen. Selbst Seiten mit hochwertigen Texten verlieren, wenn sie aus Sicht des Algorithmus thematisch zu weit streuen.

Für Shops gilt: Produktkompetenz schlägt Sortimentbreite. Besser zehn Produktgruppen mit exzellenten Beschreibungen, Fachwissen und Beratungstiefe als hundert Kategorien mit generischem Content. Für Publisher: klare redaktionelle Identität aufbauen. Und im SaaS-Bereich: Inhalte erstellen, die nicht nur das Produkt, sondern den tatsächlichen Nutzungskontext adressieren.

Was ich häufig sehe: Viele Unternehmen wollen zu vielen Suchanfragen ranken. Das mag für Traffic-Zahlen kurzfristig schön sein, aber langfristig schadet es dem Vertrauenssignal. Das aktuelle Core Update bestraft solche Strategien sichtbar.

Zur Rolle von Google Discover

Ein weiterer heiß diskutierter Punkt ist der Traffic aus Google Discover. Diese Plattform ist für viele Medien mittlerweile fast so wichtig wie die klassische Suche. Problem: die Sichtbarkeit ist extrem volatil. Laut veröffentlichten Daten sank der Anteil der Websuche am Gesamttraffic der News-Publisher in den letzten zwei Jahren stark, während Discover an Bedeutung gewann. Wenn dann ein Core Update auch diesen Kanal betrifft, potenzieren sich die Effekte. Plötzlich brechen Millionen Seitenaufrufe weg, obwohl die SEO-Basis solide war.

Ich finde, das zeigt, wie riskant es ist, zu stark von einem Google-Feature abhängig zu sein. Diversifizierung – etwa über Newsletter oder Social-Plattformen – bleibt entscheidend, egal wie stabil die SEO-Linie aussieht.

Fazit und Ausblick

Das Dezember-Update bestätigt einen Trend, den man eigentlich hätte kommen sehen können. Google verlangt zunehmend echte Spezialisierung und erkennbaren Kompetenzaufbau. Generalisten, Aggregatoren und breit streuende Newsportale geraten unter Druck, während Marken mit authentischer Produktnähe oder Fachexpertise profitieren. Ich würde sogar sagen: Dieses Update markiert das Ende des „Wir ranken zu allem ein bisschen“-Ansatzes.

Wer Rankings zurückgewinnen will, sollte nicht hektisch an Schlagworten drehen, sondern prüfen, ob seine Seite wirklich das Vertrauen verdient, das Google inzwischen voraussetzt. Das heißt oft: Themen eingrenzen, Expertise zeigen, Autoren sichtbar machen, Erfahrungsberichte und Nutzwert priorisieren. Das mag kontraintuitiv wirken, aber es führt langfristig zu stabileren Ergebnissen.

Google selbst bietet dazu hilfreiche Richtlinien. Im Kern steht dort das gleiche Prinzip, das dieses Update bestätigt hat: Fokus, Erfahrung, Vertrauen. Und wer das ernst nimmt, wird das nächste Core Update vermutlich deutlich gelassener überstehen.

Hinweis: Die Beobachtungen beruhen auf öffentlich verfügbaren Analysen und gängigen SEO-Auswertungen aus dem Dezember-Update 2025/26. Die genauen Bewertungsfaktoren bleiben – wie immer bei Google – nicht vollständig transparent.

Unsere Leistungen:

Das könnte Dich auch interessieren:

Aktuelles aus unserem Ratgeber:

Affiliate-Links: Für einige der unten stehenden Links erhalte ich möglicherweise eine Vergütung als Affiliate, ohne dass dir dadurch Kosten entstehen, wenn du dich für den Kauf eines kostenpflichtigen Plans entscheidest.

Bild von Tom Brigl, Dipl. Betrw.

Tom Brigl, Dipl. Betrw.

Ich bin SEO-, E-Commerce- und Online-Marketing-Experte mit über 20 Jahren Erfahrung – direkt aus München.
In meinem Blog teile ich praxisnahe Strategien, konkrete Tipps und fundiertes Wissen, das sowohl Einsteigern als auch Profis weiterhilft.
Mein Stil: klar, strukturiert und verständlich – mit einem Schuss Humor. Wenn du Sichtbarkeit und Erfolg im Web suchst, bist du hier genau richtig.

Disclosure:  Some of the links in this article may be affiliate links, which can provide compensation to me at no cost to you if you decide to purchase a paid plan. These are products I’ve personally used and stand behind. This site is not intended to provide financial advice and is for entertainment only. You can read our affiliate disclosure in our  privacy policy .