Entity Linking: Eine präzise Methode, um lokale SEO auf das nächste Level zu bringen
Manchmal scheitert selbst die beste lokale SEO-Strategie an einem einfachen Missverständnis: der semantischen Unklarheit. Vielleicht kennst du das – du optimierst Seiten für verschiedene Standorte, aber Suchmaschinen verwechseln Orte oder Dienstleistungen. Genau hier greift Entity Linking ein, ein Konzept, das in den letzten Jahren immer wichtiger geworden ist.
Wenn man sich bewusst macht, dass Google und Bing zunehmend semantisch arbeiten – also Inhalte nicht nur lesen, sondern verstehen wollen – wird klar: Nur wer seine Informationen präzise beschreibt, wird richtig eingeordnet.
In den letzten Jahren habe ich bei Projekten mit mehreren Standorten immer wieder festgestellt: Es reicht nicht mehr, auf Keywords zu setzen. Man muss Suchmaschinen erklären, was – und vor allem wer oder wo – man ist. Genau das leistet Entity Linking.
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Warum semantische Klarheit heute entscheidend ist
Suchmaschinen sammeln Daten nicht nur aus Texten, sondern aus einem Geflecht aus Bedeutungen. Dabei denken sie in sogenannten Entitäten – das sind Konzepte mit klar definierten Eigenschaften: Personen, Orte, Marken, Dienstleistungen, Produkte.
Wenn du also eine Seite über ein Altersheim in „Phoenix“ betreibst, muss die Suchmaschine wissen, ob es sich um Phoenix, Maryland oder Phoenix, Arizona handelt. Ohne zusätzliche strukturierte Hinweise bleibt das vage – und kann zu falschen Suchergebnissen führen.
Aus meiner Sicht ist das einer der häufigsten Gründe, warum lokale Seiten bei „near me“-Anfragen unterperformen. Die Suchmaschine sieht den Text, findet aber keine eindeutige Entität.
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Wie Entity Linking funktioniert
Das Prinzip ist relativ simpel, auch wenn die Umsetzung etwas technisches Feingefühl verlangt. Angenommen, du beschreibst auf deiner Website eine bestimmte Stadt oder Dienstleistung. Dann kannst du diese Entität mit exakten Quellen verknüpfen.
Diese Quellen sind meist:
– Schema.org – die Basis für strukturierte Daten
– Wikidata oder Wikipedia – um Entitäten eindeutig zu identifizieren
– Autoritative Branchenverzeichnisse oder Wissensdatenbanken
Mit sogenannten sameAs– oder mentions-Eigenschaften im Schema-Markup zeigst du, worauf sich ein Begriff bezieht.
Beispiel:
„`json
„sameAs“: „https://en.wikipedia.org/wiki/Phoenix,_Maryland“
„`
Ergebnis: Google versteht, dass es sich um eine reale geografische Entität handelt, nicht um ein zufälliges Wort.
Daneben gibt es interne Entity Links (also Querverweise innerhalb deiner eigenen Website) und externe Verlinkungen zu anerkannten Quellen. Beide Formen stärken die semantische Struktur deiner Inhalte.
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Eine Fallstudie: Wie Brightview Senior Living das Konzept nutzte
Ein besonders spannendes Beispiel stammt von einem Unternehmen mit über 40 Pflegeeinrichtungen an verschiedenen US-Standorten. Genau das klassische Multi-Location-Problem: gleiche Dienstleistungen, unterschiedliche Orte, unklare Suchergebnisse.
Ihr Hauptproblem: Viele Seiten wurden für den falschen Ort oder falsche Suchintentionen angezeigt. In einem Fall etwa erschien die Seite für „Phoenix, Maryland“ häufig bei Suchanfragen für „Phoenix, Arizona“.
Ihr Lösungsansatz war elegant und vorausschauend:
1. Sie beschrieben jede Einrichtung als eigene LocalBusiness-Entität in der Schema-Auszeichnung.
2. Jeder Standort erhielt präzise Angaben zu areaServed und sameAs-Bezügen (z. B. Wikidata, Wikipedia, Google Maps).
3. Zusätzlich wurden Dienstleistungen wie „assisted living“ und „independent living“ als eigenständige Themen-Entitäten mit exakten Definitionen angelegt.
Das klingt aufwendig, war aber skalierbar – die gesamte Struktur ließ sich mit Vorlagen automatisieren.
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Der Unterschied in der Performance
Nachdem Entity Linking eingeführt war, änderte sich das Bild deutlich.
Die wichtigsten Resultate laut interner Analyse:
– +25 % Klicks auf nicht markenbezogene Suchanfragen (z. B. „Altenpflegeeinrichtung in Phoenix“)
– +30 % mehr Impressionen in denselben Query-Gruppen
– +16 % Klickzuwachs auf den lokalen Community-Seiten
– +26 % Anstieg der Impressionen bei Standortbegriffen
Was das zeigt? Eine sauber modellierte Entitätsstruktur stärkt nicht nur lokale Rankings, sondern erhöht auch die Sichtbarkeit jenseits des Markennamens.
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Warum das in der Praxis so gut funktioniert
Inhaltlich ist es eigentlich logisch: Eine Suchmaschine muss nicht mehr raten, ob deine Seite für „Assisted Living Holmdel“ oder „Holmdale, Kansas“ gedacht ist. Sie weiß es.
Dadurch erkennt sie Beziehungen:
– Firma → Standort → Dienstleistung → Bewertung
und kann diese in einer Wissensgraph-Struktur abbilden.
Das Ergebnis sind stabilere Rankings, weniger Schwankungen durch algorithmische Unsicherheiten und eine höhere Wahrscheinlichkeit, in AI-generierten Antworten (etwa in Copilot, Gemini oder SGE) korrekt referenziert zu werden.
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Schritt-für-Schritt: Wie du Entity Linking selbst einführen kannst
Aus meiner Erfahrung braucht es keinen riesigen Technologiestack, um loszulegen. Wichtiger ist, strukturiert vorzugehen.
1. Bestimme deine Kern-Entitäten
Überlege, welche Entitäten dein Geschäft definieren – Orte, Services, Produkte, Fachbegriffe.
Frag dich: „Welche Themen oder Standorte sollen Suchmaschinen sofort mit mir verbinden?“
2. Verknüpfe jede Entität klar
Nutze Schema.org-Eigenschaften wie
sameAs, mentions oder areaServed.Verlinke auf verlässliche externe Quellen. Wenn du in einem regulierten Bereich bist (z. B. Medizin, Bildung), verweise auf offizielle Definitionen.
3. Baue interne semantische Beziehungen
Erstelle Querverbindungen zwischen deinen eigenen Inhalten. Eine Standortseite sollte auf den zentralen Dienstleistungsartikel verweisen – und umgekehrt.
4. Kontrolliere regelmäßig, wie Suchmaschinen deine Entitäten sehen
Prüfe mit Tools wie Google Search Console oder Knowledge Graph Search API, welche Entitäten erkannt werden.
So bekommst du ein Gefühl, ob Google deine Struktur versteht.
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Welche Vorteile Entity Linking langfristig bringt
Wenn du dieses System einmal etabliert hast, wirkt es wie ein semantisches Rückgrat deiner gesamten Webpräsenz.
1. Bessere lokale Sichtbarkeit:
Suchmaschinen zeigen präzisere Ergebnisse bei Standortanfragen, weil sie wissen, welche Orte deine Inhalte tatsächlich betreffen.
2. Mehr Reichweite bei nicht markenbezogenen Keywords:
Durch eindeutige Entitätsdefinitionen wirst du auch für allgemeine Suchbegriffe sichtbar, nicht nur bei deiner Marke.
3. Stabileres Ranking trotz KI-Veränderungen:
Je stärker AI-Suchergebnisse (z. B. SGE) in die SERPs integriert werden, desto wichtiger wird die semantische Präzision.
Klare Entitätsverknüpfungen erleichtern es, in solchen Antworten korrekt erwähnt zu werden.
4. Bessere Kontrolle über die Markenbedeutung:
Du leitest aktiv, wie dein Unternehmen im Wissensgraphen dargestellt wird – anstatt das dem Algorithmus zu überlassen.
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Ein persönlicher Gedanke zum Schluss
Wenn ich über Entity Linking spreche, höre ich oft: „Das ist nur etwas für große Unternehmen.“ Aber das stimmt so nicht. Selbst kleine, lokale Firmen profitieren enorm davon, ihre Online-Präsenz semantisch zu strukturieren.
Google und Bing verstehen die Welt zunehmend wie Menschen – über Beziehungen.
Das Ziel deiner Website sollte also sein, diese Beziehungen so klar darzustellen, dass keine Missverständnisse möglich sind.
Ob du zehn oder hundert Standorte hast, ist nebensächlich. Was zählt, ist, dass jede Seite eindeutig sagt, was sie ist, wo sie ist und was sie bietet.
Die Zukunft der Suchmaschinenoptimierung wird weniger keywordlastig und immer mehr kontextbasiert.
Entity Linking ist der Schlüssel, um in dieser Zukunft sichtbar zu bleiben – lokal wie überregional.
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Fazit:
Wenn du deine Inhalte als Netz aus Bedeutungen begreifst und durchdacht verknüpfst, hilfst du nicht nur Suchmaschinen, sondern auch potenziellen Kunden, dich richtig zu verstehen. Das ist weit mehr als eine technische Maßnahme – es ist Markenführung auf semantischer Ebene.
Und genau das macht Entity Linking zu einem der spannendsten Werkzeuge moderner SEO.