Manchmal merkt man kaum, dass sich etwas verändert hat – bis man genauer hinsieht. Genau das passiert gerade mit Google Discover. Ein neues Kern‑Update für diesen Feed ist gestartet, und auch wenn es auf den ersten Blick nur um „besseren Content“ geht, steckt dahinter ein ziemlich spannender Schritt: Google trennt zum ersten Mal ein Core‑Update, das sich ganz auf Discover konzentriert, also auf den Bereich, in dem du Inhalte angezeigt bekommst, bevor du überhaupt etwas suchst.
Ein ungewöhnlicher Start
Das Update begann am 5. Februar, zunächst nur für Nutzerinnen und Nutzer in den USA, die Discover auf Englisch verwenden. Der weltweite Roll‑out soll noch folgen, aber wie so oft lässt Google sich Zeit: etwa zwei Wochen für die erste Phase. Interessant ist, dass Discover bisher immer ein Teil der allgemeinen Such‑Updates war – dieses Mal steht der Feed im Zentrum.
Ich persönlich finde das bemerkenswert, denn Discover ist ja kein klassisches Suchprodukt. Es zeigt Inhalte, von denen Googles Systeme denken, dass sie dich interessieren könnten – basierend auf deinem Standort, deiner Aktivität, deinen Themen. Ein Core‑Update hier verändert also, was man überhaupt zu sehen bekommt, ohne gesucht zu haben. Das ist ein ziemlich direkter Eingriff in die Medienlandschaft.
Was sich wirklich ändert
Google selbst spricht von drei Hauptzielen. Erstens: mehr lokale Relevanz. Der Feed soll künftig bevorzugt Inhalte von Seiten zeigen, die aus dem gleichen Land stammen wie du. Damit will man wahrscheinlich erreichen, dass Nutzer:innen sich stärker mit dem Entdeckten identifizieren – und gleichzeitig nationale Medien wieder mehr Reichweite bekommen.
Zweitens: weniger Sensationslust und Clickbait. Das klingt nach einem alten Versprechen, aber dieses Mal scheint Google konkreter zu werden. Übertriebene Überschriften und Effekthascherei sollen konsequenter herausgefiltert werden. Wer jahrelang mit emotional aufgeladenen Titeln Reichweite geholt hat, dürfte also Einbußen bemerken.
Und drittens – das vielleicht Wichtigste – werden laut Google nun „in‑depth, original und timely“ Inhalte bevorzugt. Also Hintergrundberichte, Analysen, eigene Recherchen. Es geht um Substanz, nicht nur um Zusammenfassung. Die Bewertung erfolgt dabei über die bekannten Signalsysteme: Inhalte, die als fachlich fundiert, qualitativ hochwertig und vertrauenswürdig gelten, sollen ganz vorne landen.
Google versichert dabei, dass die bisherigen Leitlinien für Discover‑ und Core‑Updates bestehen bleiben. Die Empfehlung lautet wie immer: auf die Qualität achten, nicht auf kurzfristige technische Tricks. Das erinnert mich fast ein wenig an das alte Mantra „Mach’s für den Nutzer, nicht für den Algorithmus.“
Wie du das Update spürst
Wenn du eine Webseite betreibst oder Inhalte veröffentlichst, wirst du in deiner Search Console zwei Zahlen beobachten sollten: den organischen Suchverkehr und die Discover‑Aufrufe. In Zukunft könnten sich diese stärker voneinander unterscheiden. Ein Core‑Update für Discover kann Traffic umverteilen, ohne dass sich an den Suchergebnissen selbst etwas tut.
Das heißt: Wenn du plötzliche Schwankungen siehst, prüf, ob sie nur den Feed betreffen. Viele SEOs werfen Discover und Search immer noch in denselben Topf – das ist jetzt riskanter als je zuvor. Denn laut Google wird dieses Update die Balance zwischen beiden Kanälen neu ausrichten.
Schließlich verfolgt der Konzern eine klare Idee: Der Feed soll persönlicher, nützlicher und sachlicher wirken. In Tests, so schreibt Google, hätten Nutzer:innen ihn „more useful and worthwhile“ gefunden. Das klingt unspektakulär, aber im Alltag könnte es heißen, dass Popkultur‑ oder Boulevardthemen weichen müssen, während Fachbeiträge oder lokale Nachrichten mehr Präsenz erhalten.
Die strategische Dimension
Wenn man das Ganze langfristig betrachtet, erkennt man ein Muster. Discover war schon immer so etwas wie Googles Antwort auf soziale Feeds – eine Art personalisierte Magazinseite. Dass jetzt ein eigenes Core‑Update dafür kommt, zeigt, wie wichtig diese Oberfläche geworden ist. Google will offenbar stärker steuern, welche Inhalte Vertrauen schaffen und welche das System lieber meidet.
Ich erinnere mich an frühere Phasen, in denen Clickbait‑Seiten über Discover massenhaft Traffic bekamen. Da ging es weniger um Nutzwert als um Neugierde. Mit dem neuen Update wird genau dieses Verhalten eingedämmt. Das kann für Medienhäuser schmerzhaft sein, gleichzeitig aber zu einer gesünderen Informationsökonomie beitragen.
Man darf dabei nicht vergessen, dass viele Menschen Discover wie einen Nachrichtenticker nutzen – sie öffnen gar keine Suchseite mehr. Damit entscheidet der Algorithmus maßgeblich, welche Themen in ihrer Wahrnehmung existieren. Eine Veränderung hier hat also größere gesellschaftliche Auswirkungen, als man denkt.
Was du jetzt tun solltest
Ein paar praktische Gedanken: Wenn du Inhalte publizierst, lohnt es sich, jetzt gründlich zu prüfen, wie „original“ und „authentisch“ deine Beiträge eigentlich sind. Google selbst betont, dass seine Systeme immer besser erkennen, ob eine Seite Expertise in einem Themenfeld authentisch verkörpert. Massenhaft austauschbare Textbausteine oder wiederverwertete Agenturmeldungen verlieren an Gewicht.
Ebenso wichtig ist die lokale Relevanz. Selbst internationale Marken können davon profitieren, nationale Unterseiten oder Bereiche hervorzuheben. Ein Standortbezug, reale Autorenprofile, Hinweise auf Herkunft – all das hilft dem System, deine Inhalte richtig einzuordnen.
Und falls du bislang stark auf provokante Titel gesetzt hast: Jetzt ist der Moment zum Umdenken. Mehr Substanz, weniger Spektakel. Ich weiß, das klingt banal, aber in Zeiten, in denen man mit Aufmerksamkeit bezahlt, ist es fast schon rebellisch, nüchtern und informativ zu schreiben.
Wie es weitergeht
Google hält sich wie gewohnt vage, wann genau der weltweite Roll‑out folgt. Sicher ist nur: Das Search Status Dashboard wird regelmäßig aktualisiert. Dort kannst du sehen, wann das Update abgeschlossen ist. Meistens dauert der erste Durchlauf knapp zwei Wochen, aber bis sich die Effekte stabilisieren, vergeht meist ein weiterer Monat.
Spannend finde ich, dass Google ausdrücklich betont, auch künftig bei seinem Prinzip zu bleiben: Wer verloren hat, kann durch langfristige Qualitätsverbesserungen wiedergewinnen – nicht durch schnelle Reparaturen. Es geht also weniger um ein technisches Wettrüsten als um redaktionelle Glaubwürdigkeit.
Kleine persönliche Beobachtung
Ich habe mich immer gefragt, wann Google den Mut findet, Discover eigenständig zu behandeln. Es war jahrelang so eine Art Nebenprodukt, dabei steckt dort enormes Potenzial. Wenn du darüber nachdenkst, entdeckt man dort Inhalte, die man nie aktiv gesucht hätte – und genau das macht das Produkt so wirkungsvoll. Der Algorithmus formt Neugier. Dass Google ihn jetzt einer eigenen Qualitätsprüfung unterzieht, ist überfällig.
Fazit – mehr Tiefe, weniger Drama
Im Kern lässt sich das Update so zusammenfassen: Der Discover‑Feed soll relevanter, lokaler und journalistisch sauberer werden. Webseiten, die auf echte Informationen setzen, dürften mittelfristig profitieren. Wer Klicks durch Übertreibung und Oberflächlichkeit generiert, bekommt es schwerer.
Natürlich wird es wieder Gewinner und Verlierer geben. Aber langfristig – und das sagt selbst Google zwischen den Zeilen – zahlt sich nachhaltige Qualität aus. Der Algorithmus mag sich ändern, doch sein Ziel bleibt: Inhalte zu belohnen, die Menschen wirklich helfen. Und vielleicht ist genau das der eigentliche Kern jedes Core‑Updates.
Wenn man es positiv sehen will, ist dieses Update eine Einladung: eigene Perspektiven zeigen, lokale Themen stärken, Kontext liefern. Kurz: Inhalte schaffen, die nicht nur Klicks bringen, sondern Bedeutung haben. Ich glaube, das ist ein guter Weg – sowohl für Discover als auch für das Netz insgesamt.