Wenn man die aktuellen Zahlen rund um die Klickrate (CTR) in den Google-Ergebnissen betrachtet, sieht man, dass sich Nutzerverhalten und Suchintention im dritten Quartal 2025 messbar verschoben haben. Die Daten stammen aus einer umfassenden Auswertung internationaler Suchtrends, und sie zeigen, wie sich Klickmuster zwischen verschiedenen Gerätetypen, Branchen und Sucharten verändern. Interessant dabei ist vor allem: Markenbezogene Suchanfragen auf dem Desktop entwickeln sich in eine völlig neue Richtung, während kommerzielle und lokale Suchergebnisse immer stärker um Klickanteile kämpfen. Gleichzeitig halten sich längere, spezifischere Suchanfragen erstaunlich stabil – ein Detail, das man leicht übersehen könnte, das aber strategisch relevant ist.
Markensuchen verteilen sich breiter – besonders auf dem Desktop
Früher war es fast ein Naturgesetz: Wenn jemand nach einer Marke suchte, ging der Klick auf das erste Ergebnis. Diese Dominanz scheint sich jetzt abzuschwächen. Auf dem Desktop verlieren die Top-Positionen bei markenbezogenen Suchanfragen an Gewicht – konkret sinkt die Klickrate auf dem ersten Platz um über einen Prozentpunkt, während die Plätze zwei bis sechs insgesamt deutlich zulegen. Das bedeutet: Nutzer klicken sich häufiger in die Tiefe, sie vergleichen vielleicht verschiedene Unterseiten des gleichen Unternehmens oder besuchen verwandte Treffer, die nicht an erster Stelle stehen.
Aus meiner Erfahrung könnte das unterschiedliche Gründe haben. Einerseits verändert sich das Layout der Suchergebnisse: Markenboxen, Karten oder Zusatzinformationen bieten mehr Auswahlmöglichkeiten. Andererseits spielt Vertrauen heute eine komplexere Rolle. Nutzer verlassen sich seltener auf das oberste Ergebnis, sondern schauen, ob ihnen andere Treffer ein vollständigeres Bild der Marke geben.
Bemerkenswert: Bei nicht markenbezogenen, sogenannten „unbranded“-Suchanfragen blieb die Situation weitgehend stabil. Der Effekt konzentriert sich also klar auf Marken-SERPs.
Kommerzielle und lokale Suchintention – zunehmender Wettbewerb um Klicks
Ein zweites, sehr deutliches Muster erkennt man bei Suchanfragen, in denen Nutzer klar kommerzielle Absichten verfolgen – also etwa bei Begriffen, die Worte wie „kaufen“ oder „Preis“ enthalten. Diese Suchanfragen verzeichneten auf dem Desktop in den obersten Positionen deutliche Einbußen. Auch lokale Suchen – also solche mit Ortsbezug – zeigen die gleiche Tendenz: weniger Klicks für die ersten organischen Plätze.
Vermutlich liegt das daran, dass diese Ergebnislisten inzwischen noch stärker mit Karten, Bewertungsboxen, Shopping-Kacheln und anderen Google-Modulen angereichert sind. Wenn ich zum Beispiel nach „Pizzeria Berlin“ suche, bekomme ich drei Karten, ein lokales Paket mit Bewertungen und vielleicht noch Anzeigen – da bleibt für das klassische blaue Linkergebnis weniger Aufmerksamkeit. Folglich verteilt sich der Traffic breiter oder wandert in andere Google-Features.
Für dich bedeutet das: Selbst bei unverändertem Ranking kann dein organischer Traffic sinken. Wer bisher stark von Position 1 profitierte, muss damit rechnen, dass derselbe Platz heute weniger Besucher bringt als noch im Frühjahr.
Längere Suchphrasen stabilisieren das Klickverhalten
Ein anderer Blickwinkel ergibt sich, wenn man die Länge der Suchanfrage analysiert. Je kürzer der Suchbegriff, desto größer die Schwankung. Zwei- und dreiwortige Suchen verloren auf dem Desktop spürbar an Klickrate auf der ersten Position. Erst bei längeren, präzisen Phrasen – also „Long-Tail“-Suchanfragen mit vier oder mehr Wörtern – bleibt die Klickrate nahezu unverändert.
Das passt zu dem, was ich in vielen Projekten sehe: Je spezifischer die Suche, desto klarer ist auch die Absicht des Nutzers. Wer zum Beispiel „beste italienische Restaurants Prenzlauer Berg Abendessen draußen“ eingibt, ist schon mitten im Entscheidungsprozess. Solche Suchenden klicken gezielter und bleiben stabiler an der Spitze.
Auf dem Smartphone ist das Bild teilweise anders: Kurze Einwortsuchen legen wieder leicht zu – möglicherweise, weil Voice Search und Schnellanfragen spontaner eingesetzt werden.
Unterschiede zwischen den Branchen
Besonders spannend ist, dass diese Veränderungen nicht in allen Bereichen gleich wirken. In der Kategorie Kunst und Unterhaltung zum Beispiel sank die Klickrate an erster Stelle sehr deutlich. In der Reisebranche hingegen verzeichnet Platz zwei auf dem Desktop ein deutliches Plus – womöglich, weil Nutzer dort gezielt nach Vergleichsseiten oder Erfahrungsberichten suchen. Im Shopping-Segment verlagerte sich der Traffic von der ersten zur zweiten und dritten Position.
Diese Unterschiede zeigen, dass man CTR-Entwicklungen nie isoliert betrachten darf. Jede Branche hat ihre eigene Dynamik – abhängig von Saisonalität, Wettbewerb, SERP-Features und Nutzergewohnheiten. Wer seine CTR interpretiert, sollte sie also immer im Kontext seiner Branche und Gerätekategorie analysieren.
Praktische Schlussfolgerungen für SEO
Der Bericht liefert keine endgültigen Antworten auf das „Warum“, aber er zeigt, wo man genauer hinschauen sollte:
- Wenn du stark auf markenbezogene Desktop-Suchen setzt, überprüfe, ob deine Unterseiten oder weitere Links in den Suchergebnissen ebenfalls Klicks abbekommen. Nutzer könnten gezielt auf alternative URLs deiner Domain klicken.
- Wer in stark kommerziellen oder lokalen SERPs mitspielt, sollte die Wirkung von Rich Snippets, Local Packs und Anzeigen im Blick behalten. Die erste organische Position garantiert längst nicht mehr die meisten Klicks.
- Längere, spezifische Suchanfragen bleiben relativ konstant – hier steckt Stabilität, vielleicht sogar ein Wettbewerbsvorteil.
Ein Blick in die Zukunft
Was kann man daraus ableiten? Die Suchmaschine selbst verändert sich in kleinen, aber entscheidenden Schritten. Features wie KI-generierte Zusammenfassungen, Produktboxen, People-Also-Ask-Bereiche oder Video-Karussells verschieben die Aufmerksamkeit weg von den klassischen organischen Ergebnissen.
Für Marken bedeutet das: Sichtbarkeit allein reicht nicht. Entscheidend ist, wie vielfältig du auf Seite 1 vertreten bist – durch Hauptdomain, Unterseiten, strukturierte Daten oder zusätzliche Medieninhalte. Wer mehrere Treffer in den oberen Ergebnissen hält, fängt einen größeren Teil der zerstreuten Aufmerksamkeit wieder ein.
Und was die langen Suchphrasen angeht: Sie wirken vielleicht unspektakulär, sind aber langfristig oft die stabilste Trafficquelle. In Zeiten, in denen sich die Klickrate auf Spitzenpositionen verschiebt, gewinnen präzise Inhalte und gezielt beantwortete Nischenfragen an Wert.
Fazit
Das dritte Quartal 2025 markiert keinen radikalen Bruch, aber eine klare Tendenz: Die Klicklandschaft in Google wird breiter und vielschichtiger. Marken verlieren etwas ihrer ersten Klickmacht, kommerzielle und lokale Ergebnisse geraten unter Druck durch Google-eigene Features, und lange Suchanfragen halten das Feld stabil.
Wer SEO heute ernst nimmt, muss also mehr tun, als nur für Position 1 zu optimieren. Entscheidend wird sein, die gesamte Suchergebnisfläche zu verstehen und strategisch zu bespielen – mit Snippets, markanten Titeln, Zusatzlinks, Strukturdaten und relevanten Unterseiten. So bleibt man auch dann im Spiel, wenn die klassische Klickkurve ihre Form verändert.