Seit über einem Jahr verändert Googles AI Overviews (AIO) die Art und Weise, wie Suchergebnisse präsentiert werden – und die Veränderungen sind deutlicher, als man zunächst ahnen würde. Während viele Branchen inzwischen stark auf KI-gestützte Antworten setzen, halten sich klassische Ergebnisse, also die „zehn blauen Links“, immer noch erstaunlich stabil. Ich habe mir die aktuellen Daten dazu genauer angesehen, und ehrlich gesagt: Sie zeichnen ein spannendes Bild davon, wohin sich Suchmaschinen gerade bewegen.
Starker Zuwachs von AI Overviews innerhalb eines Jahres
Innerhalb von nur zwölf Monaten – von Februar 2025 bis Februar 2026 – ist der Anteil der Suchanfragen, die ein AI Overview auslösen, um 58 % gestiegen. Besonders deutlich zeigt sich das in bestimmten Branchen. In der Bildung zum Beispiel kletterte der Anteil von 18 % im Mai 2025 auf 83 % im Dezember desselben Jahres. Kaum zu glauben, wie schnell Universitäten, Schulen und Lernplattformen dort eine neue Sichtbarkeit gewonnen haben. Ähnlich rasant verlief es im B2B-Tech-Bereich, wo der Anteil der AIO-Ergebnisse von 36 % auf 82 % anwuchs.
Und sogar eher unerwartete Branchen wie Restaurants konnten einen Sprung machen – von gerade einmal 10 % zu Beginn auf jetzt rund 78 %. Das zeigt, dass auch lokale und konsumnahe Themen stärker algorithmisch aufbereitet werden. Ob es dabei um Rezeptideen, Restaurantbewertungen oder KI-generierte Menüempfehlungen geht, bleibt offen, aber der Trend ist eindeutig.
Noch bemerkenswerter ist der Blick auf die Gesundheitsbranche. Bereits 2024 lösten rund 72 % aller Gesundheitsanfragen ein KI-Overview aus – 2025 stieg das auf 88 %. Offenbar gefällt es den Nutzerinnen und Nutzern, komplexe medizinische Inhalte in einem verständlichen, zusammenfassenden Format präsentiert zu bekommen. Das deckt sich übrigens mit einer OpenAI-Studie von Januar 2026, in der rund ein Viertel der regelmäßigen ChatGPT-Nutzerinnen und -Nutzer angab, Gesundheitsfragen über KI zu stellen. Auch Fachpersonal scheint inzwischen auf diesen Zug aufzuspringen – laut einer Untersuchung der Brookings Institution nutzen 53 % der Beschäftigten im Gesundheitswesen bereits KI.
Die Branchen mit dem größten Wachstum
Wenn man die am stärksten betroffenen Kategorien betrachtet, ergeben sich neun Branchen, in denen AI Overviews inzwischen fest verankert sind:
- Gesundheit
- B2B-Technologie
- Bildung
- Versicherung
- Unterhaltung
- Reisen
- E-Commerce
- Finanzen
- Gastronomie
Insgesamt ergibt sich also ein klarer Trend: Überall dort, wo Informationen komplex, beratungsintensiv oder häufig vergleichend sind, setzt Google stärker auf automatisiert erstellte Antworten.
Klassische Suchergebnisse behalten eine knappe Mehrheit
Trotz der massiven Verbreitung von AIO zeigen die Daten, dass klassische organische Ergebnisse bei rund 52 % der Suchanfragen weiterhin dominieren. Das ist bemerkenswert, denn es bedeutet, dass sich KI und traditionelle Ergebnisse aktuell fast die Waage halten. Vor allem im B2B-Bereich deutet sich aber schon an, dass immer mehr wertvolle Keywords in Richtung der KI-Antworten wandern – was langfristig auch wirtschaftlich relevant werden dürfte.
Wenn man genauer hinschaut, wirkt dieser Wandel durchaus logisch. Themen wie Technik oder Gesundheit leben vom Erklären komplexer Zusammenhänge – da ist ein zusammenfassender Text oft hilfreicher als zehn einzelne Links. Überraschender ist der Sprung bei den Restaurants. Womöglich haben dort Nutzerinnen und Nutzer ein Bedürfnis nach kompakten Vergleichen oder Inspirationen, das bisherige Webseiten schlicht nicht abgedeckt haben. Oder anders gesagt: Hier entstehen Content-Lücken, die AIO nun sichtbar macht.
Suchergebnisse bleiben zweigeteilt
Man könnte sagen, Suchmaschinen fahren heute zweigleisig. Manche Suchanfragen liefern ein vollständiges KI-Overview mit erklärendem Text – andere zeigen weiterhin die gewohnten, von Algorithmen sortierten Links. Das ergibt eine Art hybrides Suchsystem, das sich je nach User-Intent unterschiedlich verhält.
Wenn man das in eine historische Perspektive setzt, ist das gar nicht so neu. Schon seit Google Maps, lokalen Ergebnissen oder Produktsuchen hat sich die Idee der zehn Links überlebt. Spätestens seit den Featured Snippets ab 2014 ging es immer stärker darum, Antworten direkt anzuzeigen. AI Overviews führen diesen Weg nur konsequent fort: weniger Klicks, mehr direkte Resultate.
Visuelle Dominanz der KI-Antworten
Wer AIO-Ergebnisse schon gesehen hat, weiß, dass sie kaum zu übersehen sind. Der Durchschnittsblock ist laut aktueller Analyse rund 1200 Pixel hoch – während viele Desktop-Bildschirme etwa 900 Pixel anzeigen. Das bedeutet: Der gesamte sichtbare Bereich wird oft von der KI-Antwort eingenommen, und das erste klassische Ergebnis liegt vollständig unter der sichtbaren Fläche. Nutzerinnen und Nutzer, die nicht sofort scrollen, sehen also ausschließlich den KI-Content.
Dieses Layout verändert die Wahrnehmung massiv. Selbst wenn klassische Ergebnisse – technisch gesehen – noch existieren, rücken sie in den Hintergrund. Google steuert damit aktiv, wie Suchintentionen bedient werden: schnelle, erklärende Inhalte zuerst, Detailinformationen erst bei Bedarf. Es ist eine neue Art, Informationen zu konsumieren, die stärker an Dialog und Entdeckung erinnert.
AI Overviews und klassische Rankings: zwei Welten
Ein weiterer spannender Befund: Die Quellen, die in den AI Overviews zitiert werden, sind kaum deckungsgleich mit den klassischen Top-10-Ergebnissen. Nur rund 17 % der AIO-Quellen finden sich auch unter den ersten zehn organischen Platzierungen. Das liegt daran, dass die Overviews auf einem anderen Prinzip beruhen – sie kombinieren Informationen aus mehreren, teils unterschiedlichen Quellen, basierend auf Technologien wie FastSearch oder Query Fanout.
Vereinfacht gesagt: Statt eine Antwort aus einem einzelnen Treffer zu ziehen, sammelt Google Daten aus verschiedenen Seiten und synthetisiert daraus eine zusammenhängende Erklärung. Das erklärt auch, warum manche Seiten, die organisch erst weiter unten erscheinen, in den Overviews zitiert werden. Sichtbarkeit in AIO hängt also nicht nur von klassischen SEO-Faktoren ab, sondern auch davon, ob eine Seite als inhaltlich wertvolle Quelle für erklärende Antworten gilt.
Spannend wird es beim Blick auf die Top 100: Dort steigt die Überschneidung zwar leicht, bleibt aber dennoch deutlich geringer, als viele erwarten würden. Die Botschaft ist klar: Gute Rankings sind weiterhin wichtig, aber sie garantieren nicht automatisch KI-Sichtbarkeit. Hier eröffnet sich ein komplett neuer Optimierungsbereich – quasi ein eigenes Universum neben dem traditionellen SEO.
Das Wachstum hält an – klassische Suche bleibt aber bestehen
Aktuelle Daten zeigen, dass der Expansionskurs der AI Overviews anhält. Die Präsenz steigt kontinuierlich und liegt nun bei fast der Hälfte aller erfassten Suchanfragen. Gleichzeitig wächst die Überschneidung der Quellen langsam, was darauf hindeutet, dass die Systeme hinter den Kulissen präziser werden. Dennoch: Das klassische Ranking-System bleibt bestehen, es verliert nur schrittweise an Dominanz.
Aus meiner Sicht ist die interessanteste Frage dabei: Für welche Arten von Suchanfragen hält Google weiterhin an der klassischen Struktur fest? Vermutlich sind das eher navigationsorientierte oder lokal-spezifische Suchanfragen – also Dinge, bei denen eine konkrete Handlung im Vordergrund steht. Bei inhaltlich oder beratungsintensiven Fragen dagegen greift die KI-Variante.
Fazit: Die Grenzen zwischen Suche und Antwort verschwimmen
Nach all den Zahlen kann man mit einiger Sicherheit sagen: AI Overviews ist keine vorübergehende Spielerei, sondern eine dauerhafte Transformation. Sie verändert nicht nur, was Nutzerinnen und Nutzer sehen, sondern auch, was Unternehmen und Content-Ersteller überhaupt noch als „gute Platzierung“ verstehen. Es wird zunehmend wichtig, Inhalte zu schaffen, die von KI-Systemen verstanden und verwertet werden können – nicht nur solche, die klassische Ranking-Faktoren bedienen.
Interessanterweise ist die Situation aktuell noch ausgewogen: etwa Hälfte KI, Hälfte klassische Suche. Aber jeder, der schon länger im SEO arbeitet, weiß, wie selten Gleichgewichte lange bestehen bleiben. Google testet, misst und passt an – und der Trend zeigt klar nach oben. In ein, zwei Jahren dürfte der KI-Anteil deutlich stärker dominieren.
Was bedeutet das für dich als Marketer oder SEO?
Die wichtigste Erkenntnis ist für mich: Wir dürfen die Optimierung für AI Overviews nicht mit der klassischen Suchmaschinenoptimierung verwechseln. Während es früher um Keywords, Backlinks und strukturierte Daten ging, zählen jetzt Signale wie Vertrauenswürdigkeit, Klarheit und kontextuelle Relevanz. Inhalte, die präzise Fragen beantworten und dabei neutral, faktenbasiert und verständlich bleiben, werden bevorzugt.
Wer also weiter oben (oder überhaupt) im AIO erscheinen möchte, sollte seine Inhalte stärker an Fragen und Intentionen orientieren – und sich weniger auf formale SEO-Muster verlassen. Auch semantische Struktur, FAQ-Sektionen und klare Quellenangaben können entscheidend sein. Denn anders als in der Vergangenheit wird nicht mehr nur bewertet, wie gut du gegen andere rankst, sondern wie nützlich dein Beitrag in einer zusammengesetzten Antwort ist.
Vielleicht ist genau das der entscheidende Wandel: Suchmaschinen sind keine reinen Listenmaschinen mehr, sondern zunehmend Verstehmaschinen. Für Nutzerinnen und Nutzer kann das großartig sein – weniger Aufwand, mehr Klarheit. Für SEOs heißt es dagegen: Der Wettbewerb verschiebt sich, die Spielregeln ebenso. Und was gestern „optimiert“ war, kann morgen schon wieder alt aussehen.