Wenn du dich mit SEO beschäftigst, hast du bestimmt schon diskutiert, ob es sich dabei eigentlich um Strategie oder eher um Taktik handelt. Viele SEOs würden gern strategisch wirken, Manager und Führungskräfte betrachten SEO aber seit über 20 Jahren eher als eine taktische Disziplin. Mit dem Aufkommen von generativer KI verändert sich dieses Bild nun radikal. KI übernimmt einen großen Teil der praktischen SEO-Aufgaben – dadurch wird klarer als je zuvor, worauf es bei Strategie wirklich ankommt, und wo nur Taktik im Spiel ist.
Strategie vs. Taktik – die Grundidee
Es ist wichtig, dass du den Unterschied nicht verwechselst: Strategie ist der Plan, Taktik ist die Ausführung. Wenn Unternehmen das durcheinanderbringen, entstehen Fehlinvestitionen, Missverständnisse über Ergebnisse und unnötige Verschwendung von Ressourcen.
Beispiele aus der Wirtschaft
- Michael Porter formulierte: „Strategie bedeutet, einen anderen Weg zu wählen, den man gewinnen kann.“
- Henry Mintzberg zeigte, dass Strategie oft der Ausgangspunkt ist, während Taktiken die konkreten Schritte darstellen.
- Peter Drucker sagte: „Die Aufgabe der Führung ist es, Stärken so zu bündeln, dass Schwächen bedeutungslos werden.“
Auf SEO übertragen
Wenn du dir Kampagnen in Vertrieb oder PR anschaust, erkennst du das Prinzip sofort: Auf höchster Ebene wird das Ziel gewählt (z. B. Marktführerschaft, Kundenvertrauen) – und die Taktiken sind dann Telefonsequenzen, Pressemeldungen oder Rückgaberegeln. In SEO funktioniert das genauso: Strategie bestimmt die Richtung, Taktiken sind Onpage-Optimierungen, Linkaufbau oder Content-Anpassungen.
Historische Entwicklung im SEO
- 2000er Jahre: Hauptsache Sichtbarkeit in Google. Taktiken: Links kaufen, Verzeichniseinträge, Keyword-Stuffing.
- 2010–2015 (Panda, Penguin): Fokus auf Qualität. Taktiken: schlechte Links disavowen, hochwertige Inhalte erstellen.
- 2015–2020: Strategisch zählte mobile Experience. Taktiken: AMP, Responsive Design, Pagespeed.
- 2020er: Mit BERT & Co. ging es um Semantik. Taktiken: Themen-Cluster, Inhaltsrelevanz, Passage-Optimierung.
Das Muster bleibt gleich: Führungskräfte setzen die Strategie, SEOs liefern die Taktik.
Der Sprung durch generative KI
Jetzt tritt KI auf den Plan. Sie liefert Nutzern direkte Antworten statt zehn blauer Links. Das bedeutet, dass Unternehmen neue strategische Fragen stellen müssen:
- Soll deine Marke in den Antworten von ChatGPT, Gemini oder Perplexity vorkommen?
- Wo investierst du mehr Budget – in allgemeine Themen oder in enge Nischen?
- Wie kannst du erreichen, dass KI-Systeme deine Marke korrekt zitieren?
Neue Taktiken im KI-Zeitalter
- Content in semantisch dichten Chunks strukturieren.
- Retrieval-Tests durchführen, um zu prüfen, ob Inhalte von KI-Systemen aufgegriffen werden.
- Schema und Entitäten-Markup einsetzen, damit deine Inhalte verstanden werden.
- Konkurrenzanalyse mithilfe von Query-Fan-Out Methoden.
Das Neue daran: Diese Taktiken sind direkte Weiterentwicklungen von klassischem SEO. Sie unterscheiden sich nur darin, dass sie für KI-gestützte Systeme optimiert sind.
Strategie oder Taktik in GenAI-Optimierung?
Viele reden von „GenAI-Strategie“, wenn sie eigentlich nur Taktiken meinen. Chunking ist keine Strategie, es ist Taktik. Die Strategie wäre: „Wir wollen, dass unsere Marke in 80 % der Antworten zu unserem Fachbereich in generativen Systemen erscheint.“
Die Risiken von Missverständnissen
Wenn Strategie und Taktik verwechselt werden, entstehen echte Kosten:
- Verpasste Chancen: Teams optimieren Inhalte, ohne dass klar ist, welche Suchoberflächen wichtig sind.
- Wasted Budget: Geld fließt in Tools und Prüfungen ohne strategischen Rahmen.
- Verlust von Vertrauen: Manager denken, sie finanzieren Strategie, sehen aber nur technische Updates.
Warum SEO bisher als „taktisch“ galt
Zwei Jahrzehnte lang definierte man SEO meist über Audits und Umsetzungen. CEOs sagten „Wir brauchen Wachstum durch SEO“, und SEOs lieferten die Maßnahmen. Daher fehlte es oft an Mitsprache auf Vorstandsebene. Das führte dazu, dass SEO nicht als Führungsdisziplin wahrgenommen wurde.
Die KI-Revolution verschiebt den Fokus
Jetzt übernimmt KI viele Routineaufgaben: Meta-Texte erstellen, interne Links empfehlen, Schema generieren. Damit werden taktische Handlungen automatisiert. Das eröffnet dir als SEO die Chance, auf die strategische Ebene vorzurücken: Entscheidungen über Markenautorität, Sichtbarkeit und Vertrauen in KI-Ökosystemen.
Praktische Beispiele
- Traditionelles Beispiel: Strategisches Ziel: Marktführerschaft bei „Rentenplanung für Millennials“. Taktiken: Tools, Ratgeber, Backlinks.
- GenAI-Beispiel: Strategisches Ziel: In allen KI-Antworten zu „nachhaltige Geldanlagen“ präsent sein. Taktiken: Inhalte chunking, Schema einbauen, KI-Retrieval-Tests.
Warum das vielen schwerfällt
Viele SEOs nennen ihre Arbeit „strategisch“, weil sie Verknüpfungen zwischen Technik, Content und Autorität herstellen. Das ist wertvoll, aber nicht jede Handlung ist Strategie. Ein robots.txt-Update bleibt Taktik. Wenn du die Unterschiede unscharf machst, verlierst du genau dann an Einfluss, wenn KI die klassischen SEO-Aufgaben zunehmend übernimmt.
So findest du die Balance
- Historisch: SEO = Taktik
- Heute: SEO = Mischung aus Taktik und Strategie
- Morgen: Dein Vorteil liegt darin, bewusst den strategischen Teil zu übernehmen
Das heißt nicht, dass Taktiken unwichtig werden. Sie sind nach wie vor Grundlage. Aber Differenzierung geschieht über Strategie: Welche Märkte du angreifst, welche Nischen du dominierst und wie du KI-Systeme als Traffic-Kanal einsetzt.
Weshalb es für dich zählt
Wenn SEO weiter nur als taktisch gilt, wird es unterfinanziert und in Organisationen weiter nachrangig behandelt. Wenn SEO jedoch seinen strategischen Stellenwert beweist, erhält es Budget, Ressourcen und Mitsprache auf oberster Ebene. KI ist deine größte Chance seit 20 Jahren, dieses Blatt zu wenden. Entscheidest du dich, diese Rolle anzunehmen, kannst du den Wandel aktiv gestalten.
Schlussgedanke
SEO war lange taktischer Perfektionismus. Mit KI hat sich das Spiel verschoben: Taktiken werden automatisiert, Strategie macht den Unterschied. Die Frage ist nicht, ob du weiterhin optimieren wirst – die Frage lautet: Wirst du die strategischen Entscheidungen mitprägen oder überlässt du das anderen?