Wenn ich heute über Suchmaschinenoptimierung spreche, denke ich automatisch auch an die Rolle von künstlicher Intelligenz im Web. Und ehrlich gesagt, das ganze Thema der sogenannten agentischen KI, also von digitalen Agenten, die selbstständig Informationen suchen, bewerten und Ergebnisse präsentieren, fasziniert mich zunehmend. In den letzten Monaten habe ich intensiv verfolgt, wie sich diese Technologie in Richtung einer neuen Webarchitektur entwickelt. Dabei stoße ich immer wieder auf die Gedanken von James LePage – einem der führenden Köpfe im Bereich WordPress und KI. Seine Sicht auf die Zukunft von SEO für KI-Agenten hat bei mir viele Denkanstöße ausgelöst.
Warum KI-Agenten das Web nicht neu erfinden, sondern vorhandene Strukturen nutzen
Eine seiner zentralen Erkenntnisse finde ich bemerkenswert einfach und doch folgenschwer: KI-Agenten werden nicht ein neues Internet erschaffen. Sie werden vielmehr auf den bestehenden Grundlagen aufbauen – jenen Mechanismen also, auf denen Suchmaschinen seit Jahren funktionieren. Wenn du darüber nachdenkst, ist das sogar logisch. Denn worauf greifen ChatGPT, Claude oder Bing Copilot zu, wenn sie im Internet nach Informationen suchen? Genau: auf klassische Indexe wie Bing oder Google. Sie lesen und bewerten Inhalte, die bereits suchmaschinenoptimiert sind.
Das bedeutet: Die Infrastruktur – Crawler, Indexe, Domains, Links – bleibt die gleiche. Nur der “Konsument” ändert sich. Statt eines Menschen, der eine Google-Anfrage stellt, ist es nun ein Agent, der die passenden Antworten sucht, filtert und kombiniert. LePage bringt es treffend auf den Punkt: Die Mechanik des Webs ändert sich nicht. Lediglich wer das Netz durchstreift, verändert sich.
Was zeigt das für dich als Content-Ersteller? Ganz einfach: Wenn du über SEO im Zeitalter der KI-Agenten sprichst, musst du verstehen, dass dieselben Signale – Domain-Autorität, Vertrauenswürdigkeit, interne Linkstrukturen – weiterhin zählen. Nur wirst du mit der Zeit weniger für den Menschen im Vordergrund schreiben, sondern stärker für Systeme, die deine Inhalte interpretieren und weiterleiten.
Ein kleiner Exkurs aus meiner Praxis
Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem Kollegen, der fragte, ob er sein gesamtes Blog-Setup umstellen müsse, um für „Agentenoptimierung“ fit zu sein. Meine Antwort war: vermutlich nein. Aber es lohnt sich, genauer hinzuschauen, wo semantische Strukturen fehlen, wo Inhalte nicht eindeutig verknüpft sind und wo du vielleicht Potenzial hast, Longtail-Suchanfragen besser abzudecken. Und genau hier setzt LePage an – mit seinem Konzept von AI SEO = Longtail Optimierung.
AI SEO ist im Kern klassisches Longtail-Management
Viele Marketingagenturen preisen derzeit teure “AI Optimization Packages” an, die angeblich völlig neue Methoden nutzen. LePage hält dagegen: Was da passiert, ist im Grunde traditionelle Suchmaschinenoptimierung – nur mit modernerer Verpackung. Er beschreibt, dass eine gute semantische Dichte, saubere Strukturierung durch Schema.org-Markup und klare interne Verlinkung die Grundvoraussetzungen für erfolgreiche AI-optimierte Inhalte darstellen.
Er geht sogar so weit zu sagen, dass viele dieser neuen Buzzwords – AIO (Artificial Intelligence Optimization) oder GEO (Generative Engine Optimization) – nichts anderes seien als ein Rebranding von Longtail-Optimierung. Die Logik bleibt dieselbe: Wenn du deine Inhalte präzise strukturierst, deckst du Suchintentionen ab, die weit über den simplen Shorttail hinausgehen. Und durch eben diese Tiefe finden dich KI-Agenten wahrscheinlicher, weil du besser verstehbar bist – sowohl syntaktisch als auch semantisch.
In meiner eigenen Arbeit sehe ich das ähnlich. Wenn ich Content-Analysen fahre, achte ich nicht nur auf Keywords oder Snippets, sondern auf semantische Netze: Wie klar wird ein Thema in seinem Kontext beschrieben? Welche Verbindungen bestehen zu verwandten Inhalten? Wie helfen interne Links, semantische Brücken zu schlagen? Das sind Fragen, die für menschliche Leser angenehm sind – aber für KI-Systeme elementar.
Wie Inhalte für Agenten strukturiert werden sollten
LePage bringt hier einen sehr interessanten Gedanken ins Spiel: Wir müssen Inhalte so schreiben, dass sie als „organisierte Briefings“ wirken – nicht bloß als Ansammlung von Texten. Das ist ein schönes Bild, finde ich. Er vergleicht es mit dem Unterschied zwischen einem chaotischen Aktenschrank voller Dokumente und einem übersichtlichen Dossier, das auf einer Seite die wichtigsten Erkenntnisse, darunter Zusammenhänge und Belege liefert.
Für uns bedeutet das: Struktur schlägt Stil. Nicht wie der Text klingt, sondern wie er aufgebaut ist, wird entscheidend. Agenten ziehen Informationen, bewerten Relevanz, reichern sie an und erzeugen daraus neue Darstellungen. Sie brauchen dafür Struktur – also Markierungen, Hierarchien, semantische Signale.
Ich denke dabei an Überschriften, Metadaten und den bewussten Einsatz von Markdown oder semantischem HTML. Baue deine Inhalte so, dass Maschinen sie verstehen, ohne Interpretation. Statt zehn Absätze mit leeren Phrasen lieber fünf Punkte mit eindeutigen Informationen. Es ist das alte Mantra: Qualität vor Quantität – nur dass Qualität jetzt maschinell lesbar sein muss.
LePage betont, dass Rankings künftig stärker auf der strukturellen Absicht einer Seite beruhen könnten. Damit meint er, dass Inhalte nicht nur gründlich und ausführlich, sondern auch bewusst gewichtet sein sollten. Sinngemäß sagt er: “Gib zuerst die Zusammenfassung, danach den Kontext, dann die Tiefe.” Also baue deinen Text wie ein Baum – Stamm zuerst, dann die Äste, dann die Blätter. Ich mag diesen Ansatz, weil er sich sowohl für Menschen als auch für KI-Agenten logisch liest.
Vom statischen Web zur Kommunikation zwischen Agenten
Ein besonders spannender Gedanke von LePage betrifft die Zukunft: Er glaubt, dass Websites künftig ihre eigenen autonomen Agenten haben werden. Diese digitalen Vertreter kommunizieren mit externen KI-Agenten – zum Beispiel den persönlichen Assistenten der Nutzer. Das würde bedeuten, dass deine Website eines Tages nicht mehr direkt vom Menschen besucht wird, sondern über Schnittstellen mit anderen Systemen interagiert.
Das klingt zunächst theoretisch, aber überlege einmal: Wenn du heute eine Reservierung per Sprachbefehl über Siri oder Google Assistant machst, besuchst du nicht mehr aktiv die Restaurantseite. Ein KI-Agent übernimmt für dich. Genau das ist die Basis des neuen Internetgedankens. Die Inhalte existieren weiterhin, aber sie werden in einem agentischen Ökosystem ausgetauscht. Webseiten dienen dann weniger der Darstellung, sondern als Datenquelle.
Die Frage, die sich mir stellt: Wie viel Gestaltung bleibt noch übrig? Wenn Inhalte zunehmend in anderen Kontexten angezeigt werden – etwa als KI-generierte Antwort oder eingebundene Information – verliert die klassische Seite an Relevanz. Stattdessen zählt die zugrunde liegende Datenstruktur. Deine Aufgabe als Autor oder SEO-Spezialist wird also sein, Informationen so bereitzustellen, dass sie im richtigen Kontext genutzt werden können, egal wo sie erscheinen.
Interessant finde ich, dass LePage hier fast widersprüchlich argumentiert. Einerseits sagt er, Inhalte sollten wie Briefings aufgebaut sein. Andererseits sieht er die Zukunft in einer Welt, in der Webseiten selbst kaum noch eine Rolle spielen und Inhalte eher als “Dokumenthaufen” existieren. Vielleicht liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen: Wir müssen heute strukturieren, um morgen verstanden zu werden – selbst wenn die endgültige Form später eine ganz andere ist.
Die nächste Evolutionsstufe: von der Präsentation zur Funktion
LePage beschreibt eine Entwicklung, in der Nutzer immer weniger selbst klicken oder lesen, sondern Aufgaben an ihre AI-Agenten delegieren. Erst geben sie einzelne Befehle (“Buche einen Flug”), später agieren diese Systeme eigenständiger (“Plane eine Geschäftsreise nach Berlin nach meinen üblichen Kriterien”). Die Rolle von Content wandelt sich damit erneut: Er dient nicht mehr primär der Information, sondern als Entscheidungshilfe, als Datenquelle, aus der Handlungen abgeleitet werden.
Wenn du also heute beginnst, deine Website zu optimieren, solltest du nicht nur an Keywords denken, sondern daran, wie ein logisch kombinierbarer Informationsfluss entsteht. Was kann ein KI-System verstehen, extrahieren und verknüpfen? Liegen deine Daten offen genug vor (z. B. in strukturiertem Format)? Diese Fragen werden künftig so wichtig sein wie Title-Tags oder Meta-Descriptions früher.
Was ich aus LePages Sichtweise für die Praxis mitnehme
Für mich sind drei Punkte besonders relevant:
- 1. SEO bleibt – nur der Konsument ändert sich. Anstatt sich in neue Schlagworte zu verlieben, sollten wir die Grundlagen stärken: technischer Aufbau, semantische Klarheit, interne Struktur.
- 2. Inhalte müssen modular und hierarchisch gedacht werden. Jedes Stück Information sollte eigenständig funktionieren, aber im größeren Kontext ein Ganzes ergeben – perfekt für die maschinelle Wiederverwendung.
- 3. Künftige Kommunikation findet zwischen Agenten statt. Nicht mehr Webseiten konkurrieren, sondern Datensätze, die am besten aufbereitete und eindeutigste Antwort liefern.
Wenn du mich fragst, ist das keine dystopische, sondern eine spannende Perspektive. Sie fordert uns heraus, Inhalte neu zu denken – nicht als Formulierungskunst, sondern als Wissensarchitektur. Und genau das ist es, was gute SEO schon immer war: Informationen so bereitstellen, dass sie sichtbar, verständlich und nutzbar sind. Nur dass unser “Publikum” heute kaum noch ausschließlich aus Menschen besteht.
Vielleicht ist also das zukünftige Ziel gar nicht mehr “Rank #1 bei Google”, sondern “gesehen und verstanden werden – von Systemen, die für Menschen handeln”.
Mein Fazit
Die Zukunft des Webs wird wahrscheinlich weniger durch neue Technologien definiert als durch eine neue Art der Verbindung zwischen ihnen. KI-Agenten werden keine Revolution der Strukturen, sondern der Beziehungen auslösen. Inhalte, die sauber strukturiert, semantisch verbunden und klar gekennzeichnet sind, werden in dieser neuen Welt bestehen.
LePages Gedanken erinnern mich an eine Art Bescheidenheit: Wir müssen nicht alles neu erfinden. Wir müssen nur besser formulieren, wie wir uns maschinell erklären. Wenn du also das nächste Mal Content planst, frage dich nicht nur, was deine Leser sehen sollen – frage dich, was eine KI daraus lernen kann. Dann bist du schon einen großen Schritt voraus.