Viele neue Unternehmen merken schnell: Sie tauchen einfach nicht in den Antworten von ChatGPT, Gemini oder Perplexity auf. Dabei hat das selten etwas mit Zeit oder Alter zu tun, sondern mit Vertrauenssignalen, technischer Struktur und maschinenlesbaren Informationen.
Ich habe mich intensiv damit beschäftigt, wie junge Marken trotzdem sichtbar werden – und das lässt sich in fünf klare Schritte zerlegen.
Warum neue Unternehmen kaum in KI-Suchergebnissen erscheinen
Wenn eine künstliche Intelligenz über Marken schreibt, sucht sie keine „neuen“ oder „spannenden“ Firmen, sondern jene, die sicher erscheinen. LLMs greifen auf riesige Datenmengen aus der Vergangenheit zurück, werten Zitate, Erwähnungen und Strukturen aus. Das ist der Grund, warum alte, bekannte Marken immer wieder genannt werden – sie wirken stabil und überprüfbar.
Neue Firmen haben dagegen meist:
- Kaum historische Spuren – wenige Erwähnungen oder Inhalte im Netz;
- Unklare oder generische Namen, die leicht mit anderen verwechselt werden;
- Fehlende externe Nachweise – wenig Presse, keine Rezensionen, kaum Backlinks;
- Eine Website, die für Maschinen schwer zu interpretieren ist.
Das führt dazu, dass das System nicht weiß, wem es trauen soll. Es ersetzt Unklarheit lieber durch Altbekanntes. Aber genau das eröffnet Chancen: Wer von Beginn an sauber und logisch aufgebaut ist, kann Vertrauen aufbauen, lange bevor größere Konkurrenten sich anpassen.
Beweis: Neue Marken können sichtbar werden
Ein junges B2B-Unternehmen startete mit Null Reichweite – keine Backlinks, keine Presse. In einem zwölfwöchigen Experiment wurde gemessen, ob und wann KI-Systeme diese Marke aufgreifen. Nach sechs Wochen war sie bereits in rund 16 % aller relevanten Prompts vertreten, bei 39 von 150 Fragen wurde sie konkret zitiert.
Diese Ergebnisse zeigen: Sichtbarkeit ist planbar, wenn man präzise an den richtigen Stellschrauben dreht.
Sechs Muster, die KI-Sichtbarkeit beeinflussen
1. Struktur schlägt Thema
Texte, die zu frei schweifen, werden selten übernommen. KIs bevorzugen klar gegliederte Antworten mit einer direkten Einleitung, verständlichen Absätzen und einer logischen Schrittfolge – ähnlich wie ein Spickzettel, kein Essay.
2. Soziale Plattformen als Verstärker
Interessanterweise erkannten ChatGPT und Co. zuerst Inhalte, die auf LinkedIn oder Medium veröffentlicht wurden, erst später die Unternehmenswebsite. Der Grund: Diese Plattformen haben bereits starke Autorität. Wer dort als Ursprung einer Aussage erscheint, wirkt für die KI glaubwürdiger.
3. Falsche Zuweisungen sind Signalprobleme
Wenn eine KI Markennamen verwechselt oder Texte falsch zuordnet, liegt das meist an fehlenden oder widersprüchlichen Daten. Schon kleine technische Anpassungen – schnellere Ladezeiten, klare Metadaten, eindeutige Beziehungen – verringern diese Halluzinationen.
4. Die Drei‑Wochen‑Regel
Neue Domains brauchen oft etwa 20 – 25 Tage, bis sie das erste Mal im KI-Indizierungsprozess auftauchen. Danach geht es schneller, sofern Struktur und Schema konsistent bleiben.
5. Erst als Erklärer sichtbar werden
Junge Marken haben zu Beginn kaum Chancen auf kompetitive Suchanfragen wie „beste Anbieter“ – zu riskant für das System. Besser funktioniert es, wenn du zunächst Begriffe erklärst oder Konzepte definierst. Damit verankert sich deine Marke als Quelle verlässlicher Informationen.
6. Externe Bestätigung ist unerlässlich
Ohne Presseartikel, Erwähnungen und Partnerseiten bleibt der Vertrauenspegel niedrig. KIs prüfen permanent, ob eine Information auch woanders bestätigt wurde. Wer früh Kooperationen, Erwähnungen oder Erwähnungen in Fachportalen erzielt, punktet enorm.
Fünf konkrete Schritte zur KI-sichtbaren Marke
1. Übersetze deine Marke in maschinenlesbare Sprache
Formuliere dein Geschäftsmodell in kurzen logischen Dreierbeziehungen („Unternehmen X → bietet → Leistung Y“).
Beschreibe, wofür du stehst, mit allgemein verständlichen Begriffen, die in öffentlichen Datenquellen vorkommen. Vermeide Marketingfloskeln – Maschinen verstehen Fakten, keine Schlagworte.
Definiere außerdem, warum du vertrauenswürdig bist – Belege, Zertifikate, Zahlen, Erfahrungen.
2. Entwickle ein festes Set an Test-Prompts
Standard-SEO-Tools helfen hierbei wenig. Lege deshalb deine eigenen 100–150 Nutzerfragen fest, die echte Kaufabsichten abbilden. Verwende sie, um regelmäßig zu überprüfen, ob und wie deine Marke in den Antworten vorkommt – ähnlich wie ein persönliches Dashboard für KI-Erwähnungen.
3. Sorge dafür, dass Maschinen deine Website lesen können
Richte strukturierte Daten (JSON‑LD) ein, insbesondere „Organization“, „Product“ und „FAQ“-Schema.
Füge eine llms.txt-Datei im Hauptverzeichnis hinzu, in der kurz beschrieben steht, wer du bist und welche Inhalte über dich genutzt werden dürfen.
Und prüfe – wirklich wichtig –, ob Ladezeiten und Crawlbarkeit technisch sauber sind. Eine langsame Seite wird von KIs schlicht ignoriert.
4. Veröffentliche „Retrieval‑Ready Content“
Schreibe Inhalte so, dass sie direkt als Antwort funktionieren: Ein Satz, der präzise erklärt, gefolgt von nachvollziehbaren Details.
Jede inhaltliche Einheit sollte auch ohne Kontext Sinn ergeben; die KI muss sie einzeln wiederverwenden können.
Und aktualisiere regelmäßig – Beiträge, die älter als drei Monate sind, verlieren schnell an Gewicht. Dynamik ist ein Vertrauenssignal.
5. Baue externe Validierung auf
Vergleiche deine Präsenz auf Plattformen wie Crunchbase, LinkedIn oder G2. Alle Informationen sollten identisch sein: gleiche Adresse, gleiche Beschreibung, gleiches Logo. Widersprüche sind Gift für KI-Vertrauen.
Suche zudem gezielt Kooperationen mit Fachportalen. Schon wenige hochwertige externe Links auf deine Kernseiten genügen, um dich für ChatGPT & Co. erkennbar zu machen.
Langfristiger Schlüssel: Autorität statt kurzfristiger Tricks
Suchmaschinenoptimierung allein reicht in der KI‑Welt nicht mehr aus. Sichtbarkeit entsteht durch Konsistenz, Geschwindigkeit und externe Glaubwürdigkeit.
Neue Marken haben durchaus Vorteile: Sie können von Beginn an sauber arbeiten, alte Ballastdaten vermeiden und ihre Story technisch klar hinterlegen.
Wer regelmäßig geprüft wird, wo und wie die eigene Marke erscheint, wer strukturiert kommuniziert und Inhalte aktuell hält, baut eine Art „digitales Vertrauen“ auf. Dieses Vertrauen ist die neue Währung.
Am Ende gewinnt nicht der lauteste, sondern der verständlichste und überprüfbarste. Und genau hier liegt die Chance für jedes junge Unternehmen, sich gegen große Namen durchzusetzen – Schritt für Schritt, sichtbar auch für Maschinen.