YouTube statt AI Hype: Reichweite jetzt deutlich steigern

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Wenn man sich den aktuellen Hype rund um AI Search ansieht, könnte man glauben, dass alles andere im digitalen Marketing an Bedeutung verliert. Immer mehr Unternehmen versuchen fieberhaft, bei ChatGPT, Copilot oder Perplexity sichtbar zu werden – und übersehen dabei oft Kanäle, die heute bereits nachweislich Reichweite und Wirkung bringen. Genau das ist mir beim Hören eines Gesprächs von Ahrefs wieder bewusst geworden. Da ging es weniger um technische Spielereien, sondern um eine einfache, bodenständige Erkenntnis: vielleicht rennen viele von uns gerade in die falsche Richtung.

Zwischen Vision und Wirklichkeit: Was viele übersehen

Die Diskussion startete mit einer fast banalen Feststellung – aber einer, die man sich als Marketer öfter wieder ins Gedächtnis rufen sollte. YouTube ist nach Google die zweitgrößte Suchmaschine der Welt. Jeden Tag geben dort Millionen Menschen Suchanfragen ein, um sich Antworten zu holen – und zwar nicht in Textform, sondern über Videos. Produktrecherchen, Anleitungen, Reviews – all das fließt dort in Entscheidungsprozesse ein. Trotzdem investieren viele Firmen ihre Zeit lieber in die Optimierung für AI-Engines, die derzeit einen winzigen Bruchteil dieser Reichweite haben.

Ich finde das bemerkenswert. Wir reden in der Branche ständig über „User Intent“ und „Customer Journey“, aber wenn es ums Budget und die Strategie geht, scheinen Zahlen manchmal kaum noch zu zählen. Während YouTube, TikTok oder Instagram den Alltag prägen und Vertrauen aufbauen können, wenden sich viele Organisationen Systemen zu, bei denen noch völlig unklar ist, ob sie jemals relevante Besucherströme liefern werden.

YouTube als unterschätzter Hebel

Gerade weil Menschen Videos heute als Suchwerkzeug nutzen, ist der Nutzen offensichtlich: Sichtbarkeit, Markenvertrauen und Conversion-Potenzial in einem. Und dennoch wird YouTube häufig stiefmütterlich behandelt. Aus Gesprächen mit SEO-Teams kenne ich die oft gehörte Rechtfertigung: „Video ist nicht unser Zuständigkeitsbereich“. Dabei geht es hier nicht um filmische Kunst, sondern um ein Spielfeld, das längst Teil der Suchlandschaft ist.

Wenn jemand nach einem Vergleich „Produkt A vs. Produkt B“ sucht, schaut er sich meist zuerst ein Video an. Und diese Klicks sind wertvoller als irgendein experimentelles AI-Snippet, das irgendwo in einem Chat-Interface auftaucht. Das ist kein Abgesang auf neue Technologien, aber ein Plädoyer dafür, Ressourcen dahin zu lenken, wo heute schon Wirkung entsteht.

Warum der Fokus verrutscht ist

Viele Unternehmen orientieren sich stark an Zukunftsprojektionen. Das ist verständlich – wer würde nicht gerne in fünf Jahren als Thought Leader auf einem neuen Spielfeld dastehen? Aber das bringt ein Problem mit sich: Je weiter der Blick nach vorne schweift, desto leichter übersieht man das, was direkt vor einem liegt. YouTube wächst, nicht schrumpft. Und jede Generation, die nachkommt, ist filmischer, visueller, schneller im Bewegtbilddenken – ganz gleich, ob beim Lernen, Vergleichen oder Entscheiden.

Ich kenne einige Firmen, die in den letzten zwölf Monaten lieber Tools für AI-Snippet-Optimierung gekauft haben, anstatt ihre Video-Content-Strategie zu verbessern. Das ist ungefähr so, als würde man ein Haus auf einem Grundstück bauen, das man noch gar nicht besitzt, während nebenan die eigene Wiese leer steht.

Was SEO wirklich leisten kann – und was nicht

Ein weiterer Punkt, den die Gesprächspartner betonten, betrifft eine alte, aber immer aktuelle Wahrheit: SEO kann keine Produktfehler reparieren. Auch mit allen Optimierungen dieser Welt kann man keine schlechte Nutzererfahrung dauerhaft im Markt verstecken. Wenn das Produkt enttäuscht, sagt es die Community – auf Reddit, in YouTube-Kommentaren, auf X oder Threads. Und KI-Systeme greifen diese Stimmungen auf.

Die Vorstellung, dass man mit AEO (Answer Engine Optimization) oder GEO (Generative Engine Optimization) negative Wahrnehmung einfach „wegoptimieren“ könne, ist eine Illusion. Suchsysteme lernen aus Daten, und Daten spiegeln Meinungen, Bewertungen und Diskussionen wider. Wenn die Basis nicht stimmt – wenn also das Produkt selbst oder der Service schwächelt – helfen weder Keywords noch Prompts oder Schema-Markup. Die KI wird irgendwann dieselbe Sprache sprechen wie das Publikum.

Wenn der Shitstorm stärker ist als das Ranking

Ich erinnere mich an einen konkreten Fall, der in der Unterhaltung angesprochen wurde: Ein Unternehmen änderte seine Preisstruktur in bester Absicht, um sie aus eigener Sicht fairer zu gestalten. Die Community jedoch sah das anders – und machte ihrem Unmut Luft. Wochenlang bestimmte diese Kritik die Diskussion, obwohl das Unternehmen versuchte, in Blogs und Threads gegenzusteuern. Am Ende blieb nur die Kehrtwende. Das zeigt: Wenn die öffentliche Wahrnehmung gegen dich läuft, ist SEO machtlos.

Das Verhältnis zwischen Marke und Publikum lässt sich nicht per Meta-Tag oder AI-Optimierung reparieren. Und trotzdem versuchen viele Organisationen genau das – indem sie etwa erwarten, dass „der SEO“ bitteschön die negativen Berichte in den AI-Antworten verschwinden lässt. Solche Erwartungen führen unweigerlich zu Spannungen in Unternehmen. Marketing und Geschäftsführung müssen akzeptieren, dass Reputation aus Taten entsteht, nicht aus semantischen Tricks.

Eine neue Balance finden

Ich beobachte derzeit zwei Lager: Auf der einen Seite die KI-Enthusiasten, die alles auf die Karte „AI Search“ setzen, und auf der anderen Seite die Pragmatiker, die ihre Teams lieber auf bewährte Kanäle konzentrieren. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Natürlich sollte man sich mit ChatGPT, Perplexity und Co. befassen – aber nicht auf Kosten des Hier und Jetzt.

Dieses „Hier und Jetzt“ bedeutet konkret: in Formaten denken, die Menschen tatsächlich konsumieren. YouTube, Podcasts, LinkedIn-Artikel, Reels, Shorts – das sind längst Sucherlebnisse, teilweise sogar Empfehlungsmaschinen. Wer an dieser Stelle eine solide Strategie aufbaut, profitiert doppelt: kurzfristig durch Sichtbarkeit, langfristig durch Markenbindung. KI-basierte Suchsysteme werden diese Signale am Ende ebenfalls aufgreifen, weil sie auf den Content zugreifen, der echte Resonanz erzeugt.

Realistische Erwartungen an AI Search

Ich bin überzeugt, dass AI Search kommen wird – nur nicht so, wie viele es sich vorstellen. Die Antworten werden flüchtig, schwer messbar, teils unzuverlässig sein. Nutzer klicken weniger, vergleichen aber nach wie vor Quellen. Das heißt: Wer in klassischen Suchkanälen präsent ist, stärkt auch indirekt seine Chancen im AI-Kontext. Sichtbarkeit entsteht nicht nur durch „Prompt-Optimierung“, sondern durch Vertrauen – und das lässt sich nicht über Nacht trainieren.

Die Kunst wird also darin liegen, Ressourcen zu verteilen: ein Teil experimentell für neue Formate, ein Teil konsequent für stabile Kanäle. Oder einfacher gesagt: weniger Zukunftsangst, mehr Gegenwartsfokus.

Mein persönliches Fazit

Aus meiner Sicht steckt in dieser ganzen AI-Debatte eine gesunde Mahnung zur Priorisierung. Bevor du dich fragst, wie du bei ChatGPT zitiert wirst, frag dich lieber, ob du deine Marke auf den Plattformen präsent hast, auf denen deine Kunden schon heute aktiv suchen. Es ist viel wahrscheinlicher, dass ein Interessent dich auf YouTube entdeckt oder über ein Tutorial-Video überzeugt wird, als dass er über eine zufällige AI-Zusammenfassung stolpert.

Langfristig entstehen Rankings – ob klassisch oder generativ – aus Resonanz, Qualität und Relevanz. Kurzfristige Hypes können inspirieren, aber sie sollten dich nicht davon abhalten, das Fundament zu festigen. Denn eine starke Marke inklusive treuer Community wird auch in der „AI-Search-Zukunft“ nicht verschwinden – im Gegenteil, sie wird von Algorithmen bevorzugt, die eben genau dieses Vertrauen erkennen.

Wichtige Denkanstöße

  • Schau dorthin, wo deine Nutzer schon sind. YouTube und andere Video-Formate sind keine Konkurrenz zur Suchoptimierung, sondern deren logische Erweiterung.
  • SEO ist kein Reparaturwerkzeug für schlechte Produkte. Eine ehrliche Auseinandersetzung mit Nutzerfeedback wirkt stärker als jede technische Optimierung.
  • AI Search lohnt sich – aber dosiert. Experimentiere mit neuen Wegen der Sichtbarkeit, behalte aber deine funktionierenden Traffic-Quellen im Auge.

Wenn ich ehrlich bin, sehe ich diese Themen gar nicht als Gegensatz, sondern als Entwicklungsstufen. Wer heute zielgerichtet Inhalte aufbaut – texte, video, audio –, schafft automatisch das Fundament, das später auch die KI aufnehmen und verstärken wird. Der Trick liegt darin, nicht jedem Trend blind hinterherzurennen, sondern klug zu wählen, wo sich Aufwand wirklich rechnet. Und genau das scheint im Moment vielen entglitten zu sein: die klare Sicht auf das, was gerade funktioniert.

Vielleicht ist die eigentliche Aufgabe für uns Marketer also gar nicht, jedes Mal die neueste Technologie zu jagen, sondern uns daran zu erinnern, warum Menschen überhaupt suchen: um zu verstehen, zu lernen und Vertrauen zu gewinnen. Und genau dort beginnt gutes SEO – auch im Zeitalter der künstlichen Intelligenz.

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Tom Brigl, Dipl. Betrw.

Ich bin SEO-, E-Commerce- und Online-Marketing-Experte mit über 20 Jahren Erfahrung – direkt aus München.
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