KI verändert Käufer vor Sales Einstieg Schonungslose AI-Sichtbarkeit sichern

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Stellen Sie sich vor, ein potenzieller B2B-Kunde betritt Ihren Demo-Call und kennt bereits Ihre Preisspannen, Ihre häufigsten Schwächen, drei Alternativen, typische Implementierungsprobleme und eine Zusammenfassung aus Kundenbewertungen, Foren, Vergleichsportalen und KI-Antworten. Er hat Ihre Website vielleicht noch nicht einmal besucht. Trotzdem hat er schon eine Meinung.

Genau hier liegt die neue Realität im SEO, im Vertrieb und im digitalen Marketing: KI hat den Käufer verändert, bevor viele Unternehmen ihre Prozesse angepasst haben. Nicht, weil Informationen plötzlich neu wären. Sondern weil Chatbots, AI Search, ChatGPT, Perplexity, Copilot und AI Overviews Informationen in Sekunden verdichten, sortieren und bewerten.

Der klassische Käuferpfad, auf dem ein Nutzer erst googelt, mehrere Seiten besucht, Whitepaper herunterlädt, sich in einen Newsletter einträgt und dann mit Vertrieb oder Support spricht, ist nicht verschwunden. Aber er beginnt immer häufiger außerhalb Ihrer kontrollierten Kanäle. Die erste Meinungsbildung findet in einem KI-Dialog statt. Und wer dort nicht vorkommt, falsch beschrieben wird oder nur als Randnotiz erscheint, verliert Einfluss, bevor der eigentliche Kontakt startet.

Der neue Käufer kommt nicht unvorbereitet, sondern vorgeprägt

Viele Unternehmen behandeln Interessenten noch immer so, als stünden sie am Anfang ihrer Recherche. Startseiten erklären Grundlagen. Landingpages führen in Problemstellungen ein. Sales-Decks beginnen mit Marktdefinitionen. Lead-Nurturing-Strecken verschicken Einstiegswissen.

Doch der heutige Käufer hat häufig bereits eine Art KI-Briefing erhalten. Er fragt nicht mehr: „Was macht diese Lösung?“ Er fragt: „Warum sollte ich diese Lösung wählen, obwohl Anbieter B laut mehreren Quellen einfacher zu integrieren ist?“ Oder: „Stimmt es, dass dieses Produkt bei größeren Teams schnell teuer wird?“ Oder: „Warum nennt mir ChatGPT Ihr Unternehmen nicht unter den führenden Anbietern?“

Das ist ein fundamentaler Unterschied. Der Interessent kommt nicht leer zu Ihnen. Er kommt mit einer vorformulierten Hypothese. Diese Hypothese kann korrekt sein, teilweise stimmen oder völlig verzerrt sein. Aber sie beeinflusst den gesamten weiteren Entscheidungsprozess.

Aus Informationssuche wird Entscheidungsabkürzung

Früher mussten Nutzer Informationen mühsam zusammensuchen. Sie öffneten zehn Tabs, verglichen Anbieterlisten, lasen Rezensionen, prüften technische Dokumentationen und fragten vielleicht in Communities nach. Heute reicht oft eine Frage an einen KI-Assistenten:

„Vergleiche die besten CRM-Systeme für ein wachsendes SaaS-Unternehmen mit 50 Mitarbeitenden, begrenztem Budget und HubSpot-Integration.“

Die Antwort ist keine klassische Suchergebnisseite. Sie ist eine komprimierte Empfehlung. Sie enthält meist nur wenige Namen, kurze Begründungen und gelegentlich Quellen. Damit verkürzt sich die Recherchephase dramatisch. Für Unternehmen bedeutet das: Die Auswahl wird getroffen, bevor viele messbare Website-Signale entstehen.

Mythos vs. Fakt: Was Unternehmen über AI Search oft falsch einschätzen

Um die Veränderung greifbarer zu machen, lohnt sich ein Perspektivwechsel. Viele Marketing- und SEO-Teams arbeiten noch mit Annahmen, die in der klassischen Suche plausibel waren, in der KI-gestützten Suche aber nur noch eingeschränkt funktionieren.

Mythos: Wer gut bei Google rankt, wird automatisch in KI-Antworten empfohlen

Ein starkes Google-Ranking hilft weiterhin. Es ist aber keine Garantie dafür, dass ein Unternehmen in ChatGPT, Perplexity, Copilot oder AI Overviews prominent erscheint. KI-Systeme bewerten nicht nur einzelne Rankings. Sie verarbeiten Muster aus vielen Quellen: Produktseiten, Vergleichsportalen, Presseartikeln, Bewertungen, Forendiskussionen, Dokumentationen, Branchenlisten, Marktplätzen und strukturierten Daten.

Der Fakt lautet: AI Search belohnt nicht nur Sichtbarkeit, sondern Wiedererkennbarkeit, Konsistenz und externe Bestätigung. Wenn Ihr Unternehmen auf der eigenen Website hervorragend positioniert ist, aber außerhalb davon kaum erwähnt wird, entsteht für KI-Systeme ein schwaches Signal.

Mythos: Mehr Content löst das Problem

Viele Teams reagieren auf neue Suchtrends mit mehr Seiten, mehr Blogartikeln und mehr FAQ-Blöcken. Das kann sinnvoll sein, reicht aber nicht aus. KI-Systeme lesen Inhalte nicht wie Menschen entlang Ihrer idealen Journey. Sie extrahieren Aussagen, vergleichen diese mit anderen Quellen und bilden daraus Antworten.

Der Fakt lautet: Es geht nicht nur um Content-Menge, sondern um inhaltliche Präzision, semantische Abdeckung und Widerspruchsfreiheit. Wenn Ihre Produktseite sagt, Sie seien ideal für Enterprise-Kunden, während Bewertungsplattformen Sie vor allem als Tool für kleine Teams darstellen, entsteht ein uneinheitliches Bild. KI-Antworten können dann eine Positionierung erzeugen, die Sie selbst nie gewählt haben.

Mythos: KI-Zitate sind gleichbedeutend mit Traffic

Viele Unternehmen freuen sich, wenn sie als Quelle in AI Overviews, Bing Copilot oder Perplexity auftauchen. Gleichzeitig wundern sie sich über niedrige Klickraten. Das ist kein Messfehler. Es ist Teil des neuen Suchverhaltens.

Der Fakt lautet: Eine KI-Antwort soll die Frage oft direkt lösen, nicht zwingend weiterleiten. Sichtbarkeit in KI-Systemen ist deshalb nicht immer Traffic. Sie ist Einfluss. Dieser Einfluss kann Kaufentscheidungen prägen, ohne dass ein klassischer Referrer in GA4 sichtbar wird.

Warum die Shortlist heute außerhalb Ihrer Website entsteht

In vielen Märkten war SEO jahrelang ein Kampf um Aufmerksamkeit: Wer rankt auf Seite eins? Wer gewinnt das Featured Snippet? Wer bekommt den Klick? Durch AI Search verschiebt sich der Wettbewerb. Es geht nicht mehr nur darum, gefunden zu werden. Es geht darum, in die Vorauswahl aufgenommen zu werden.

Ein Nutzer fragt nicht mehr unbedingt nach „Projektmanagement Software Vergleich“. Er fragt: „Welche Projektmanagement-Tools eignen sich für eine Agentur mit 20 Personen, vielen Kundenfreigaben und begrenztem Onboarding-Aufwand?“ Das Ergebnis ist keine Liste mit zehn blauen Links. Es ist häufig eine Shortlist mit drei bis fünf Optionen.

Wenn Ihr Unternehmen dort nicht erscheint, konkurrieren Sie nicht mehr aktiv um den Klick. Sie wurden bereits aussortiert.

Die neue Konkurrenz ist nicht immer die Konkurrenz, die Sie beobachten

Viele Unternehmen vergleichen sich mit zwei oder drei bekannten Wettbewerbern. Doch KI-Systeme können völlig andere Alternativen nennen. Ein etabliertes Enterprise-Tool kann plötzlich neben einem günstigen No-Code-Anbieter stehen. Eine Agentur kann gegen ein internes KI-Workflow-Tool verglichen werden. Ein Softwareanbieter kann durch Open-Source-Lösungen ersetzt werden.

Das verändert die Wettbewerbsanalyse. Entscheidend ist nicht nur: „Wer rankt für unsere Keywords?“ Sondern: „Welche Anbieter, Kategorien oder Ersatzlösungen werden in KI-Antworten genannt, wenn Nutzer unser Problem beschreiben?“

Markenbekanntheit allein reicht nicht mehr

Eine bekannte Marke hat Vorteile. Aber Bekanntheit ohne klare, aktuelle und überprüfbare digitale Spuren kann in KI-Antworten verwässert werden. Wenn ein Unternehmen früher stark war, aber heute kaum aktuelle Erwähnungen, Bewertungen oder strukturierte Informationen liefert, kann ein jüngerer Wettbewerber mit besser lesbarer digitaler Präsenz häufiger auftauchen.

Für AI Search Optimization, Generative Engine Optimization und moderne SEO-Strategien bedeutet das: Autorität muss nicht nur aufgebaut, sondern maschinenlesbar bestätigt werden. Durch eindeutige Positionierung, konsistente Daten, externe Erwähnungen und Inhalte, die typische Entscheidungsfragen präzise beantworten.

Content wird nicht nur besucht, sondern verarbeitet

Ein zentraler Denkfehler vieler Content-Strategien besteht darin, Seiten ausschließlich nach Besuchen, Rankings und Conversions zu bewerten. Diese Metriken bleiben wichtig. Doch ein Teil Ihres Contents erfüllt inzwischen eine andere Funktion: Er wird von Systemen gelesen, zusammengefasst und in Antworten integriert.

Das betrifft Produktseiten, Ratgeber, Help-Center, technische Dokumentationen, Case Studies, FAQ-Seiten, Vergleichsseiten und Glossare. Sie alle können Einfluss haben, selbst wenn kein Nutzer direkt darauf klickt.

Der Wert einer Seite endet nicht beim Seitenaufruf

Eine gut strukturierte Seite über „Datenschutzanforderungen für HR-Software in der EU“ kann von einem KI-System verarbeitet werden, wenn ein Nutzer fragt, welche HR-Tools DSGVO-konform sind. Vielleicht bekommt die Seite keinen Besuch. Trotzdem kann sie dazu beitragen, ob Ihre Marke als vertrauenswürdig erscheint.

Das stellt klassische Reporting-Modelle infrage. Eine Seite mit wenig Traffic kann strategisch wertvoll sein, wenn sie zentrale Aussagen liefert, die in KI-Antworten einfließen. Umgekehrt kann eine trafficstarke Seite wenig Einfluss auf Kaufentscheidungen haben, wenn sie nur oberflächliche Informationen liefert.

Struktur, Klarheit und Konsistenz werden wichtiger

Für KI-Systeme sind klare Aussagen leichter zu verarbeiten als vage Marketingformulierungen. Inhalte sollten deshalb nicht nur werblich überzeugen, sondern auch präzise beantworten:

Wer ist die Zielgruppe?

Für welche Anwendungsfälle ist das Angebot geeignet?

Wo liegen Grenzen?

Welche Integrationen, Funktionen oder Voraussetzungen gibt es?

Welche Unterschiede bestehen zu Alternativen?

Welche Belege stützen die Aussagen?

Besonders wichtig ist Konsistenz. Wenn Ihre Website, Ihr Google Business Profile, Branchenverzeichnisse, Bewertungsplattformen, Presseprofile und Produktdaten unterschiedliche Angaben enthalten, entsteht ein unscharfes Bild. Widersprüchliche Informationen sind Gift für AI Search Visibility.

Messung: Warum traditionelle Analytics nur einen Teil der Wahrheit zeigen

Viele Unternehmen suchen zuerst nach einem Tool. Sie möchten wissen, wie viele Besuche aus ChatGPT, Perplexity, Copilot oder AI Overviews kommen. Das ist verständlich, aber zu kurz gedacht.

GA4 kann bestimmte KI-Referrer oder Assistant-Kanäle sichtbar machen, wenn ein Klick stattfindet. Bing Webmaster Tools und ähnliche Systeme können Hinweise darauf geben, ob Seiten in KI-gestützten Sucherlebnissen als Quellen erscheinen. Solche Daten sind nützlich. Aber sie messen nur einen Ausschnitt.

Das eigentliche Problem lautet: Der wichtigste Einfluss entsteht oft vor dem Klick.

Wenn die KI-Antwort überzeugt, bleibt der Klick aus

Ein Nutzer fragt nach den besten Anbietern für ein Problem, liest eine KI-Zusammenfassung, merkt sich zwei Namen und sucht später direkt nach diesen Marken. In Ihrem Reporting erscheint dann vielleicht ein Brand Search, ein Direct Visit oder ein Paid-Click. Die ursprüngliche KI-Interaktion bleibt unsichtbar.

Das bedeutet nicht, dass Analytics wertlos ist. Es bedeutet, dass Unternehmen neue Fragen stellen müssen:

Wie häufig werden wir in relevanten KI-Antworten genannt?

In welchem Kontext erscheinen wir?

Werden wir korrekt beschrieben?

Welche Wettbewerber werden häufiger empfohlen?

Welche Quellen prägen die Antwort?

Welche Kaufkriterien werden in KI-Antworten mit unserer Marke verbunden?

Diese Fragen sind strategischer als reine Klickzahlen. Sie zeigen, ob Ihre Marke im neuen Entscheidungsraum überhaupt stattfindet.

Neue KPIs für AI Search und SEO

Statt nur Sessions, Rankings und CTR zu betrachten, sollten Unternehmen zusätzliche Messgrößen etablieren. Dazu gehören AI Visibility, Erwähnungsanteil in KI-Antworten, Sentiment, Quellabdeckung, Antwortgenauigkeit, Wettbewerbsnähe und Themenassoziationen.

Beispiel: Ein Cybersecurity-Anbieter möchte nicht nur wissen, ob er genannt wird. Er muss wissen, ob er bei Fragen zu „Enterprise Security Monitoring“, „SOC 2 Readiness“, „Cloud Security für Mittelstand“ oder „Alternativen zu Anbieter X“ auftaucht. Noch wichtiger: Wird er als Enterprise-Lösung, als günstiges Tool oder als Spezialanbieter für eine Nische eingeordnet?

Diese Einordnung beeinflusst die Qualität späterer Leads enorm.

Warum Unternehmen langsamer reagieren als ihre Käufer

Der Käufer braucht keine interne Freigabe, um sein Verhalten zu ändern. Er öffnet eine App, stellt eine Frage und passt seine Recherche an. Unternehmen dagegen benötigen Verantwortlichkeiten, Budgets, Tools, Abstimmungen, Roadmaps, Compliance-Prüfungen und Reporting-Strukturen.

Genau dadurch entsteht die Lücke. Käufer verändern sich im Rhythmus von Software-Updates. Unternehmen verändern sich im Rhythmus von Planungszyklen.

Das ist kein Vorwurf an Marketingteams. Es ist ein strukturelles Problem. Viele Organisationen sind auf Kanäle ausgerichtet: SEO, Paid Media, Content, PR, Sales Enablement, Analytics. AI Search durchschneidet diese Zuständigkeiten. Eine KI-Antwort kann durch SEO-Inhalte, PR-Erwähnungen, Kundenbewertungen, technische Dokumentation und Produktdaten gleichzeitig geprägt werden. Zuständig fühlt sich aber oft niemand vollständig.

Das Ownership-Problem

Wer besitzt AI Search Visibility? SEO? Brand? Communications? Demand Generation? Product Marketing? Data Analytics? Vertrieb?

Die ehrliche Antwort: Es braucht mehrere Bereiche. Aber ohne klare Verantwortung passiert wenig. Unternehmen sollten daher eine zentrale Rolle oder Arbeitsgruppe definieren, die folgende Aufgaben bündelt:

Monitoring relevanter KI-Antworten

Analyse von Fehldarstellungen

Priorisierung kritischer Themenfelder

Abgleich zwischen Website, externen Quellen und Produktrealität

Briefing für Content, PR, SEO und Sales

Aufbau neuer Messlogiken

Erst wenn Verantwortung klar ist, kann aus Beobachtung eine Strategie werden.

Praktische Strategie: Was Unternehmen jetzt tun sollten

Die wichtigste Veränderung besteht darin, nicht sofort mit Tools, Dashboards oder Content-Produktion zu beginnen. Zuerst muss verstanden werden, welches Bild KI-Systeme bereits erzeugen.

1. Relevante Käuferfragen sammeln

Starten Sie nicht mit Keywords, sondern mit echten Entscheidungsfragen. Welche Fragen stellen Kunden vor dem Kauf? Welche Einwände hört Sales regelmäßig? Welche Vergleiche tauchen in Demos auf? Welche Probleme lösen Support, Customer Success oder Consulting immer wieder?

Aus SEO-Sicht gehören klassische Keywords weiterhin dazu. Aber für AI Search müssen sie in natürliche Fragen übersetzt werden. Statt nur „beste Buchhaltungssoftware“ zu analysieren, testen Sie Fragen wie:

„Welche Buchhaltungssoftware eignet sich für ein deutsches E-Commerce-Unternehmen mit internationalem Versand?“

„Welche Alternativen gibt es zu Anbieter X für kleine Steuerkanzleien?“

„Welche Tools sind für Unternehmen geeignet, die GoBD, DATEV und Shopify verbinden müssen?“

Solche Prompts bilden reale Entscheidungssituationen besser ab als isolierte Suchbegriffe.

2. Prüfen, was KI-Systeme über Ihre Marke sagen

Testen Sie systematisch verschiedene Plattformen: ChatGPT, Perplexity, Copilot, Google AI Overviews und weitere relevante Antwortmaschinen. Dokumentieren Sie nicht nur, ob Ihre Marke genannt wird. Erfassen Sie auch Tonalität, Positionierung, genannte Wettbewerber, Quellen und mögliche Fehler.

Achten Sie besonders auf wiederkehrende Muster. Ein einzelner Fehler ist ärgerlich. Ein wiederholtes Missverständnis ist ein strategisches Signal.

3. Quellenlandschaft analysieren

KI-Antworten entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie basieren auf Quellen, Trainingsdaten, Webinhalten, strukturierten Informationen und aktuellen Indexdaten. Finden Sie heraus, welche Quellen in Ihrer Kategorie häufig auftauchen. Das können Vergleichsportale, Bewertungsseiten, Branchenmedien, Foren, Wikipedia-ähnliche Seiten, Marktplätze, Herstellerdokumentationen oder öffentliche Datenbanken sein.

Die zentrale Frage lautet: Welche digitalen Belege braucht ein System, um Ihre Marke korrekt einzuordnen?

4. Eigene Inhalte auf Antwortfähigkeit optimieren

Content sollte stärker darauf ausgerichtet werden, konkrete Entscheidungsfragen klar zu beantworten. Dazu gehören Vergleichsinhalte, Use-Case-Seiten, technische Erklärungen, Integrationsseiten, transparente Preislogiken, Migrationshinweise, Sicherheitsinformationen und branchenspezifische Landingpages.

Wichtig ist: Schreiben Sie nicht nur für den Klick. Schreiben Sie auch für die Extraktion. Präzise Absätze, eindeutige Aussagen, saubere Überschriften, strukturierte Daten, FAQ-Elemente und konsistente Terminologie helfen Menschen und Maschinen gleichermaßen.

5. Externe Signale gezielt stärken

Ihre eigene Website ist nur ein Teil des Bildes. Bewertungen, PR, Expertenbeiträge, Partnerschaften, Branchenlisten, Kundenstimmen und unabhängige Erwähnungen beeinflussen, ob Ihre Marke als relevante Option wahrgenommen wird.

Das bedeutet nicht, künstlich Erwähnungen zu erzeugen. Es bedeutet, echte Belege sichtbar zu machen. Wenn Kunden bestimmte Stärken regelmäßig nennen, sollten diese Aussagen auch öffentlich auffindbar sein. Wenn Ihr Produkt für einen bestimmten Anwendungsfall besonders gut passt, sollte diese Position nicht nur auf Ihrer eigenen Website stehen.

Sales und Marketing müssen ihre Einstiege neu schreiben

Wenn Käufer bereits informiert sind, wirken generische Einstiegsgespräche schnell redundant. Vertrieb und Marketing sollten deshalb stärker mit dem Vorwissen des Interessenten rechnen.

Eine moderne Demo beginnt nicht mit: „Ich zeige Ihnen kurz, wer wir sind.“ Sie beginnt eher mit: „Welche Informationen haben Sie bereits gefunden, und was davon möchten Sie validieren?“ Diese Frage ist mächtig, weil sie versteckte KI-Einflüsse sichtbar macht.

Auch Lead-Nurturing sollte differenzierter werden. Wer über eine markennahe Suche kommt, braucht andere Inhalte als jemand, der aus einer KI-generierten Shortlist heraus direkt den Anbieter prüft. Content muss stärker auf Validierung, Differenzierung und Risikoreduktion einzahlen.

Der neue Job von Content: Hypothesen korrigieren

Viele Interessenten kommen mit Annahmen. Manche sind hilfreich, andere falsch. Content sollte deshalb nicht nur informieren, sondern aktiv falsche oder unvollständige Bilder korrigieren.

Wenn KI-Systeme Ihre Lösung regelmäßig als „ideal für kleine Teams“ einstufen, Sie aber zunehmend Enterprise-Kunden bedienen, benötigen Sie klare Belege für Enterprise-Fähigkeit. Wenn Sie häufig als teuer wahrgenommen werden, obwohl Ihr Total Cost of Ownership günstiger ist, brauchen Sie transparente Vergleichsinhalte. Wenn Wettbewerber als einfacher zu implementieren gelten, müssen Sie Onboarding, Integrationen und Time-to-Value besser erklären.

Das Risiko des Wartens

Viele Unternehmen beobachten AI Search noch aus sicherer Entfernung. Sie warten auf stabilere Tools, klarere Standards oder höhere Referrer-Zahlen. Das Problem: Während intern gewartet wird, entstehen extern bereits Antwortmuster.

Wenn KI-Systeme heute Ihre Wettbewerber als Standardempfehlung nennen, wird diese Wahrnehmung durch weitere Erwähnungen, Nutzerinteraktionen und neue Inhalte verstärkt. Wenn Ihre Marke falsch eingeordnet wird, kann sich diese falsche Einordnung verfestigen. Wenn Sie in wichtigen Entscheidungskontexten fehlen, füllen andere Anbieter den Platz.

Die Shortlist Ihrer Kategorie wird nicht erst in Zukunft geschrieben. Sie wird bereits jetzt geformt.

Fazit: KI verändert nicht nur Suche, sondern Kaufentscheidungen

AI Search ist kein zusätzlicher Traffic-Kanal, den man irgendwann ins Reporting aufnimmt. Es ist eine neue Schicht zwischen Käufer und Unternehmen. Diese Schicht beeinflusst, welche Marken bekannt werden, welche Anbieter verglichen werden, welche Einwände entstehen und welche Fragen im Vertrieb landen.

Für SEO bedeutet das eine Erweiterung der Aufgabe. Rankings bleiben wichtig, aber sie reichen nicht mehr aus. Entscheidend wird, ob eine Marke in KI-Antworten korrekt, relevant und überzeugend erscheint. Für Marketing bedeutet es, dass Content nicht nur Besucher gewinnen, sondern auch maschinell verwertbare Belege liefern muss. Für Vertrieb bedeutet es, dass Käufergespräche später beginnen, aber mit deutlich mehr Vorprägung.

Unternehmen, die jetzt handeln, stellen zuerst die richtigen Fragen: Was wird über uns gesagt? Wo erscheinen wir nicht? Welche Quellen prägen unser Bild? Welche Aussagen sind falsch, veraltet oder unvollständig? Welche Inhalte und externen Signale müssen aufgebaut werden?

Erst danach kommen Tools, Dashboards und KPIs. Denn wer nicht weiß, welches Bild KI-Systeme bereits erzeugen, kann auch nicht steuern, wie Käufer morgen über die Marke denken.

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Tom Brigl, Dipl. Betrw.

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